[Kapverden |] Ultimatives Marlinfischen
29 | 10 | 2022 ReisenText & Fotos: Hansjörg Dietiker 11107
29 | 10 | 2022 Reisen
Text & Fotos: Hansjörg Dietiker 1 1107

Kapverden | Ultimatives Marlinfischen

Die Kapverden sind zum Mekka der Marlinfischerei geworden. Seit gut 20 Jahren werden rund um die Inseln so zahlreiche und kapitale Marlin gefangen wie nirgendwo­ auf der Welt. 


Kein Wunder, dass die Charterboote mehr kosten als anderswo. Und eine frühzeitige Reservation ist notwendig, insbesondere für die Hochsaison im Mai und Juni.

Die letzten beiden Weltcups, wenn am 4. Juli gegen 300 Boote rund um die Welt auf Marlin fischten, wurden von Booten auf Cabo Verde gewonnen. Am Tag unserer Ankunft im Mai dieses Jahres hisst ein Kran einen 980-Pfünder vom Hafen auf den Lastwagen. Tausendpfünder dürfen auf Cabo Verde behändigt werden, die kleineren – und das sind die meisten – müssen zurückgesetzt werden. Einige Tage später landet «Smoker» mit Capt’n Ryan Williamson einen 1370 Pfund (lb) schweren Fisch, der zweitgrösste je im Atlantik gefangene Marlin! Und der wurde «gepitcht».

 Unglaubliche 1370 Pfund – neuer Rekord auf Cabo Verde.

Unglaubliche 1370 Pfund – neuer Rekord auf Cabo Verde.


Spannendes «Pitchen» mit Cesar

Ryan war vor der Nachbarinsel San Antao erfolgreich, wo wir ebenfalls fischten. Und zwar mit Capt’n Cesar Vera-Cruz, der ebenfalls das «Pitchen» praktiziert. Das funktioniert so: Zwei Konaheads mit Haken werden an den Outriggers (Ausleger) ausgelassen. Zwei Konaheads ohne Haken werden als sogenannte «Teaser» kurz hinter dem Heck geschleppt. An Bord sind zwei weitere Ruten mit montierten Köderfischen, die auf ihren Einsatz warten. Sobald ein Marlin auftaucht und die Köder mit Haken attackiert, umso besser. Vielfach jedoch nähert er sich den Teasern. Diese werden dann von der Crew blitzartig eingezogen und die beiden Köderfische werden ausgelassen. Nun geht der Teufel los. Der Marlin peitscht mit dem Schwert auf den Köderfisch ein, wechselt zum andern und frisst. Die Rolle heult auf, die erste Flucht hält erst nach 300 Metern. Nun beginnt der Drill. Pumpen, pumpen und Meter um Meter zurückgewinnen. Und dabei immer schön die Schnur verteilen mit dem Daumen. Früher­ konnte das Stunden dauern. Heute kürzen die Capt’ns den Drill ab, indem sie auch mal rückwärts manövrieren. Damit kann der Kampf so kurz wie möglich gehalten werden und der Fisch muss nicht völlig ausgepumpt zurückgesetzt werden.

Mit Pitchen können wir drei kleinere Marlin überlisten und zurücksetzen. Kleinere heisst auf Cabo zwischen 150 und 250 Pfund …

 Cha zeigt den Köder, der mir drei Bisse brachte – aber auch drei Verluste.

Cha zeigt den Köder, der mir drei Bisse brachte – aber auch drei Verluste.


Als mir das Pech an der Rute klebt

Mit Capt’n Berno versuchen wir einige Tage danach unser Glück vor Sao Vicente. Kaum eine halbe Stunde vom Hafen Mindelo entfernt, sind die Köder bereits im blauen Wasser. Denn blau muss es sein, wenn man Marlin fangen möchte. Diesmal schleppen wir ohne Teaser, alle fünf Ruten sind mit behakten Ködern bestückt. Der erste Biss kommt um 9.30 Uhr auf den grün/schwarzen Konahead. Nach der ersten grossen Flucht spüre ich, dass es ein guter Fisch ist. Der Kontakt ist da, seine Kraft enorm. Aber nach einigen Minuten Drill ist der Kampf zu Ende?… ausgehakt.

Eine Stunde später reisst ein Marlin die Schnur aus dem Outrigger, wieder eine Attacke auf den grün/schwarzen Köder. Aber schon auf der Flucht löst sich der Haken …

Wir schleifen die Hakenspitzen nach. Und tatsächlich nimmt am Nachmittag wieder ein Marlin denselben Köder. Diesmal ein Prachtexemplar, das sich im Sprung in voller Grösse zeigt. Welch ein Spektakel! Aber dann ist es auch schon wieder vorbei. Beim unmittelbar folgenden zweiten Sprung schüttelt er den Haken ab und ich habe zum dritten Mal das Nachsehen. Marlinfischen eben …

Dafür packt Urs zum Abschluss seinen heutigen Zielfisch, nämlich seinen ersten Wahoo.

 Urs fängt seinen ersten Wahoo (rund 15 kg).

Urs fängt seinen ersten Wahoo (rund 15 kg).


Klima und Kulinarik

Die Temperaturen auf den Kapverdischen Inseln sind das ganze Jahr recht ausgeglichen. Um die 26 bis 27 Grad zur Marlin-Hochsaison Mai/Juni. Im Hochsommer zwei, drei Grad darüber, im Winter zwei, drei Grad darunter. Logischerweise weht auf diesen Atlantikinseln fast immer Wind, manchmal mehr, manchmal weniger.

Auf der Floss-Hafenbar trinke ich gerne einen Mojito oder Caipirinha. Ohne Zucker, wie Hemingway …

In der Stadt Mindelo gibts ungezählte Kneipen, wo sich die Einheimischen verpflegen. Im Zentrum liegen zwei, drei «Italiener» mit Pasta und Pizza. Der beste ist die «Taverna», wo der kurzgebratene Tuna Tataki mein Favorit ist.

«La Calade» heisst das Restaurant im Blue Marlin Hotel, zehn Gehminuten vom Hafen entfernt. Die Preise sind wie überall in Mindelo moderat. Zum Apéro hat man die Wahl zwischen drei Pastis-Labels. Dazu werden schmackhafte Oliven und Chnoblibrot mit Tunamousse gereicht. Zur Vorspeise kann ich dem Tuna-Carpaccio kaum mal widerstehen und als Hauptgang ist die stadtbekannte Ente empfehlenswert. Für mich war jedoch die Languste an einer wunderbaren Zitronen-Rahmsauce der Hit! Übrigens zu ganzen 25 Franken inklusive Beilagen.


Nähere Auskünfte über Boote, Flüge und allem Drum und Dran erteilt der Autor: 079 669 63 63.

 

1 Kommentare


Marc Zjnero

04 | 11 | 2022

In Gran Canaria, kann man auch solche Riesen Blue Marlin fangen. Nur, werden sie da nicht zu Tode geknüpelt. Und als Trofän am Haken gezeigt????


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