Hechte suchen & fangen
11 | 12 | 2019 PraxisText & Fotos: Florian Pippardt 01083
11 | 12 | 2019 Praxis
Text & Fotos: Florian Pippardt 0 1083

Hechte suchen & fangen

Finde den Verräter!

Endlose Flachwasserzonen haben einen Vorteil, der gleichzeitig ein Nachteil ist: Sie stellen einen riesigen Hotspot dar. Um hier schnellen Erfolg zu haben, geht unser Autor Florian Pippardt anders vor als üblich: Er sucht den einzelnen Verräter-Hecht und stellt dann seine Taktik um.

Hechte geben im Winter ihr Einzelgängertum oft auf und sammeln sich in bestimmten Bereichen. Sie suchen die idealen Lebensbedingungen: Deckung und Nahrung, Wohlfühltemperatur, wenig bis keine Trübung. Den idealen Platz gibt es zwar nicht, doch in vielen Gewässern sind die Bedingungen an einigen Orten einfach etwas akzeptabler – dort rotten sich die Hechte zusammen, während andere Spots wie leergefegt scheinen. Wir können an den Hotspots also richtig abräumen und müssen nicht einmal viel laufen oder Boot fahren. 

Doch diese Stellen müssen wir erst einmal finden! An Seen mit wenigen, dafür aber offensichtlichen Strukturen kann es einfach sein. Kanten, Berge, tiefe Löcher – die Fische sind schnell lokalisiert. Aber was machen wir, wenn unser Gewässer keine so offensichtliche Struktur aufweist – oder aber gleich Dutzende davon? In beiden Fällen haben wir ein Problem: Viel fischleeres Wasser zwischen den Hecht-Ansammlungen. Trotz Strukturarmut können sich die Fische nämlich stark bündeln, allerdings sind diese Sammelplätze nicht so leicht von aussen erkennbar. Oftmals spielen hier die Verteilung der Wassertemperatur, das zuverlässige Vorhandensein von Futterfisch, die Bodenart und der Bewuchs eine entscheidende Rolle. Keiner dieser Faktoren lässt sich von aussen leicht erkennen. Also heisst es hier: Suchen! Und das Suchen ist dann doch mit viel Laufen (oder Fahren) verbunden. Ausserdem muss ich ziemlich effektiv angeln. Deshalb setze ich auf zwei komplett unterschiedliche Köderarten, die ich aber in einer Taktik kombiniere.


Stichproben sammeln

Ich will meine Vorgehensweise an einem Beispiel erklären. Machen wir also einen Ausflug an ein grosses, flaches, recht monotones Gewässer. Der Hecht lebt im Paradies – überall gibt es leckere Futterfische und flache Schilf- oder Krautbuchten, wo er sich wunderbar verstecken kann. Und der Hecht ist bei weitem nicht allein! Er hat tausende Verwandte, doch die haben wiederum auch hundert Buchten, in denen sie sich aufhalten können. Und der Fischer? Der schlenzt im schlimmsten Fall seinen fängigsten Wobbler voller Motivation in jede Krautlücke. «Hier kommt er bestimmt!» – diese Motivation legt er spätestens mit Wurf Nummer 1000 ohne Fischkontakt ab. In dieser Zeit ist er nur bis Bucht zehn von einhundert gekommen. Ausser er landet vorher einen Zufallstreffer. Aber wir wollen ja nicht zufällig fangen, sondern gezielt! 

Es sollte anfangs also nur darum gehen, zu erfahren, wo die grösseren Ansammlungen von Fischen stehen, und nicht darum, jedes einzelne Exemplar bestmöglich anzusprechen. Wir sammeln also Stichproben, suchen einen Fisch, der den Standort anderer verrät. Und das gelingt mit grossen, lauten und auffälligen Ködern deutlich schneller als mit kleinen und dezenten. Um diese Stichproben sammeln zu können, müssen die Fische den Köder über grössere Distanzen wahrnehmen. 

Leider sind wir bei dieser Vorgehensweise abhängig von einigermassen guten Hechtangel-Bedingungen: Bedeckter Himmel, etwas Wind (ab Stärke zwei) und klares Wasser. Jetzt kann ich mit den meisten Attacken rechnen, die Hechte sind dann auch bereit, grössere Strecken zu schwimmen, um unseren Köder zu attackieren. Und wenn schlechte Bedingungen herrschen, also zum Beispiel Sonne, trübes Wasser, Windstille oder ein Kälteeinbruch? Dann bin ich gezwungen, etwas diskreter, langsamer und auch genauer zu fischen. 


Gewässer-Scanner

Aber kommen wir zurück zum Idealfall, also guten Bedingungen. Wir können die Fische in den riesigen Arealen sowohl vom Ufer als auch vom Boot suchen. Wichtig ist, dass wir in Bewegung bleiben. Also laufen, laufen, laufen – oder driften, driften, driften. Die Faustregel: Jeder Wurf landet in einem noch nicht befischten Fleck Wasser! In klarem Wasser können wir die Würfe weit streuen, in trüberem sollten sie etwas dichter beisammen liegen. Ein aktiver Hecht schnappt sich die potenzielle Beute, sobald sie in sein Sichtfeld kommt. Er wird einen Köder, der «Friss mich!» schreit, natürlich am ehesten wahrnehmen. Das wirkt sich auf meine Köderwahl aus: Jeder sollte bei stetigem Zug schön spielen und sich bei schnellem Zug nicht überschlagen oder verdrehen. Das sind die notwendigen Eigenschaften. Optimalerweise lassen sich die Köder auch noch weit werfen – dadurch suche ich einfach noch mehr Strecke ab. Für die Wurfweite ist übrigens auch das Gerät verantwortlich. Ich setze auf schwere Stationär-Combos von etwa 90 Gramm Wurfgewicht, damit kann ich unterschiedlich schwere Köder werfen. Ich will ja (vorerst) keinen Drillspass, sondern Hechte aufspüren. Deshalb verwende ich gern grosse, hochrückige Gummifische. Auch Blinker und Spinner funktionieren gut. Muss ich weiter raus, setze ich auf grosse Meerforellen-Wobbler, die fliegen noch besser als Standard-Blinker. Crankbaits und Jerkbaits (die bei stetigem Zug gut laufen) sind auch geeignet. Ich konzentriere mich beim Suchen nicht auf eine besonders ausgefeilte Köderführung, ich kurble den Köder nur stupide auf mich zu. Wichtig ist, dass man Köder benutzt, die keine Liebe bei der Köderführung brauchen. Gelegentlich lasse ich ihn stehen, dann nutzt der Hecht in der Regel seine Chance, um zu attackieren. 

 Ein Sonne-Wolken-Mix und ein strammer Wind sind gute Hechtbedingungen. Jetzt kann gesucht werden!

Ein Sonne-Wolken-Mix und ein strammer Wind sind gute Hechtbedingungen. Jetzt kann gesucht werden!

 Da ist der Verräter! Seine Kollegen sind nicht weit entfernt und warten schon auf Fliege, Twister oder Swimbait.

Da ist der Verräter! Seine Kollegen sind nicht weit entfernt und warten schon auf Fliege, Twister oder Swimbait.


Bissauslöser

Und irgendwann, früher oder später, beisst ein Verräter. An schwierigen Tagen ist es oft nur ein Schwall hinter dem Köder oder ein Anstupser. Dann erfolgt mein Taktikwechsel, denn mit Methode zwei spreche ich deutlich mehr Fische an, auch die alten, erfahrenen. Egal, ob ich den Hecht haken kann oder nicht – habe ich einen Biss, hänge ich meinen Suchköder aus dem Karabiner. Es geht nun darum, seine Kollegen aus der Deckung zu locken. Das funktioniert am besten mit etwas kleineren, langsam geführten (Reiz-)Ködern. Nur lassen sich kleine Köder nicht weit werfen, erst recht nicht an einer 90-Gramm-Rute. Deshalb habe ich immer ein fertiges Sbirolino-­System in der Tasche! Der Sbiro erlaubt es mir, jeden Köder mindestens so weit wie meinen Suchköder zu werfen. Am liebsten benutze ich kleine Fliegen von etwa zehn Zentimeter Länge, am besten
unbeschwert und mit viel Flashmaterial gebunden. In der Standphase trudelt die Fliege ganz langsam zu Boden, das Flash flattert hinterher. Das guckt sich kein Hecht lange an! Auch stehen Hechte voll auf Twister. Diese montiere ich – je nach Wassertiefe und Krautmenge – entweder am Offset-Haken, Einzelhaken oder einem Drei-Gramm-Kopf. So lassen sich natürlich nicht nur Twister, sondern auch Gummifische anbieten. Auch mehrteilige Swimbaits, die leider meistens dazu neigen, den «Propeller zu machen», lassen sich an der Sbiro-Montage super werfen. Meine fünfte Option sind kleine Löffelblinker. 

Im Gegensatz zur Suchtaktik mache ich mir bei den Reizködern Gedanken über die Köderführung. Generell biete ich sie alle deutlich langsamer an, streue aber immer kleine «Fluchten» ein. Ich setze auch auf lange Pausen. Teilweise kommen die Bisse erst nach zwei Sekunden Standphase, deshalb sollte die Schnur immer gestrafft bleiben. Ich kurble sie, während der Köder absinkt, langsam auf. Die Bisse sind unterschiedlich – entweder wird die Rute wie beim Feedern krummgezogen oder ich spüre nur ein leichtes Tock wie beim Eglifischen. Letzteres passiert oft, wenn der Hecht beim Biss den Köder auf mich zuschiebt. 

Stehen die Fische ufernah, wechsle ich gern zur Fliegenrute. Da ich den Köder (natürlich nur Fliegen) bei der Fliegenrute über die Hand direkt führe, habe ich ein noch besseres Ködergefühl. Ausserdem spare ich mir den Sbirolino, der besonders erfahrene Fische aufscheuchen kann. Und zu guter Letzt sind sowohl Drill als auch Biss an der Fliegenrute deutlich direkter und intensiver. 

Ich habe dank dieser Methode recht schnell einen Überblick, wo sich die Hechte in meinem Gewässer in der kalten Jahreszeit aufhalten können. Wenn sich die Bedingungen einige Tage später zum Schlechten entwickeln und die Fische (wenn überhaupt) nur noch auf dezente Köder reagieren, habe ich zumindest einen Anhaltspunkt, wo ich es probieren sollte.

 

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