Fische räuchern
13 | 12 | 2019 PraxisText & Fotos: Nils Anderson 01462
13 | 12 | 2019 Praxis
Text & Fotos: Nils Anderson 0 1462

Fische räuchern

Fisch ist ein vielseitiges Nahrungs­mittel, das sich auf mehrere Arten zur Delikatesse verwandeln lässt. Der neu aufgelegte und überarbeitete Praxisratgeber des deutschen Fischerei­meisters Wolfgang Hauer zeigt, wie das Räuchern der Fische (und vieles mehr) funktioniert.

Das Räuchern von Fischen ist eine lohnenswerte Alternative zum herkömmlichen Braten von selbstgefangenen Fischen und ist gar nicht besonders kompliziert. Wenn der richtige Fisch zum Einsatz kommt, verzeiht das Räuchern nämlich viele Ungenauigkeiten. Der Praxisratgeber von Hauer begnügt sich aber nicht mit einer ungefähren Anleitung, sondern beginnt bei den Grundlagen des Fischzubereitens überhaupt. Vom Kiemenschnitt übers Ausnehmen und von der richtigen Kühlkette bis zu den rechtlichen Grundlagen wird hier alles detailliert erklärt. Es hat ja schon etwas an sich: Nicht nur beim Fischen selbst, sondern auch bei der Zubereitung der Fische ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, viele Fischer können da noch einiges lernen. Aber die meisten wollen wohl einfach hie und da einen Fisch räuchern und es dabei bewenden lassen. 


Die richtige Vorbereitung

Mit dem Räuchern von Fischen ist es nicht eine ganz so spontane Sache. Vielmehr muss man sich bereits am Vortag damit befassen und eine Räucherlauge aufsetzen. Diese besteht aus Wasser, Salz und verschiedenen Gewürzen. Hauer empfiehlt 80 bis 100 Gramm Salz pro Liter Wasser, meiner Erfahrung nach funktioniert es auch mit wesentlich weniger; so um die 30 bis 40 Gramm reichen aus. Ist das Salz weitgehend im Wasser aufgelöst, kann man die Gewürze und schliesslich die Fische zugeben. Ich empfehle, vor allem auf nicht-gemahlene Gewürze zu setzen. Ob man da eine Rezeptur verfolgen will oder einfach nimmt, was im Gewürzregal grad vorrätig ist oder aufgebraucht werden sollte, spielt für den Erfolg nicht mal so eine grosse Rolle. In Frage kommen in erster Linie Lorbeerblätter, Senfsaat, Piment, Pfefferkörner, Bockshornklee oder Wacholder. Natürlich kann man auch noch weiter experimentieren. Hauer empfiehlt unter anderem Zwiebeln, Knoblauch, Thymian, Basilikum oder aber auch Gewürze in Pulverform wie Paprika oder Curry. Wichtig ist, dass die Fische ganz mit der Lauge bedeckt sind, dafür braucht es pro Kilo Fisch mindestens anderthalb Liter. So zugedeckt stellt man die Fische für mindestens zehn Stunden in den Kühlschrank und lässt sie dort ziehen. 

Wer übrigens ganz spontan räuchern will, dem empfiehlt Hauer, die Fische trocken mit Salz und Gewürzen einzureiben und zwei bis drei Stunden liegen zu lassen.


Welche Fische räuchern?

Von unseren Süsswasserfischen empfiehlt Hauer eigentlich fast alle zum Räuchern. Einzig mit den fettarmen Räubern, vor allem dem Hecht, sollte man zurückhaltend sein. Wer hier den richtigen Zeitpunkt verpasst, wird mit einer gummigen und nicht besonders schön anzusehenden Mahlzeit bestraft. Da gibt es deutlich geeignetere Fische, die eine gros­se Gartoleranz aufweisen. Eine Felche oder eine Forelle schmeckt auch noch hervorragend, wenn sie ein paar Minuten zu wenig oder zu viel im Ofen verbracht hat. Und dies kann schnell passieren, insbesondere bei den sogenannten Tischräucheröfen, wo im Freien etwas Wind oder Kälte das Räuchern empfindlich verlängern kann. Neben den Salmoniden, dem Aal, den Welsen und den Stören sind auch sämtliche Karpfenartigen gut geeignet, sofern man die Sache mit den Gräten in den Griff kriegt. 


Das Räuchern der Fische

Da wohl die meisten Fischer nicht unbedingt geneigt sind, gleich einen riesigen Heissräucherofen zu bauen, beschränken wir uns hier auf die kompakten Tischräucheröfen. Diese sind von der Temperatur her unproblematisch, d. h. es wird selten zu heiss oder bleibt zu kalt. Zwei Fondue-Rechauds mit Brennpaste sorgen für eine ausreichende Temperatur und Rauchentwicklung. Fünf gehäufte Teelöffel Buchen- oder Eichenmehl werden auf den Boden des Tischräucherofens gestreut und mit dem Tropfschutz abgedeckt. Es lohnt sich, die Fische temperiert und möglichst getrocknet in den Ofen zu legen, da sie sonst zu viel Flüssigkeit abgeben. Dies kann dazu führen, dass die Fische gedämpft statt geräuchert werden. Je nach Menge der Fische im Ofen und je nach Windverhältnissen sowie Aussentemperatur dauert das Räuchern zwischen knapp 20 und 40 Minuten. Sind die Fische gar, kann man sie sofort geniessen oder ein paar Tage im Kühlschrank aufbewahren und kalt essen.


Zahlreiche Weiterführungen

In seinem Praxisratgeber beschränkt sich Hauer nicht nur auf das Räuchern, sondern behandelt auch das Beizen der Fische wie beispielsweise das Rezept für Graved Lachs sowie das Grillieren. Mit diesem Buch ist viel Wissenswertes über das Fischräuchern gesagt. Wer aber eine Anleitung sucht, um einfach mal seinen Fang im auf letzte Weihnacht geschenkten Tischräucherofen zu räuchern, dem schwirrt ab lauter Bauplänen, Tipps, Vorsichtsmassnahmen und speziellen Räuchermehlen schnell mal der Kopf.


Der Praxisratgeber von Wolfgang Hauer ist im stv-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich; ISBN 9783702018061.

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