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![[Hechtfischen mit der Fliege:]</br>Neun Tipps zum Einstieg](/assets/cache/600/600/media/Artikel/2024/10/hechtstreamer/Photo-2-highlight.jpg)

| 06 | 11 | 2026 | Praxis | |
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Robin Melliger fischt seit knapp zwei Jahrzehnten. In dieser Zeit hat er manche Erfolge und auch Enttäuschungen erlebt. Daraus resultierten Erfahrungen und Erkenntnisse, die er uns hier in zehn Punkten weitergibt.
Früher hatte ich die Angewohnheit, die eingesetzten Köder zu schnell zu wechseln. Das stetige Auswechseln von Ködern führte bei mir zu innerer Unruhe. Im Lauf der Zeit habe ich gelernt, dass es nicht so sehr auf die Farbänderung beim Forellenwobbler ankommt. Klar kann es unter bestimmten Bedingungen sein, dass eine Farbkombination mehr Bisse bringt als eine andere. Über die Tage gleicht sich dies jedoch wieder aus. Beim Raubfischangeln setze ich bewusst auf maximal drei verschiedene Köderfarben: natürlich, hell und dunkel. Damit bin ich für unterschiedliche Wasser- und Lichtverhältnisse bestens ausgerüstet. Ich habe das Gefühl, dass der Führungsstil und die Lauftiefe des Köders entscheidender sind als die Farbe.
Auf den sozialen Medien werden primär die Highlights jeder Saison gepostet und geteilt. Dies verzerrt die Tatsache, dass viele Stunden für den Fang dieser Fische aufgewendet wurden. Ganz zu schweigen von den etlichen Stunden ohne jeglichen Fischkontakt. Da ich schon immer eine ehrgeizige Person gewesen bin, fielen mir fischlose Tage schwer. Mit der Zeit lernte ich jedoch damit umzugehen. Beim Fischen muss ich mich auch immer wieder daran erinnern, dass dies kein Wettkampf ist. Daher ist auch ein fischloser Tag ein erfolgreicher Tag. Denn man war ja schliesslich in der Natur und konnte sich vom Alltagsstress erholen.
Als ich jünger war, hatte ich viel mehr Zeit, ans Wasser zu gehen. Aber bereits damals achtete ich stark auf die Bedingungen. In den Fachmagazinen las ich immer wieder, dass man vor oder zwischen Gewittern besonders gut fängt, genauso wie während der Dämmerung. Dies mag alles stimmen, es bedeutet aber nicht, dass es zu anderen Zeiten keine Aktivität im Wasser gibt. Das kann auch an einem windstillen und warmen Nachmittag sein. Meine grössten Hechte konnte ich beispielsweise oft am frühen Nachmittag fangen. Bei einer Fischerreise ans Meer achte ich jedoch bereits Monate im Voraus auf den Mondstand, da dieser die Tide stark beeinflusst. Ebenfalls gilt es zu beachten: Als Seefischer bin ich von den natürlichen Gegebenheiten wie Hitzewellen und Trockenheitsperioden weniger stark beeinflusst als jemand, der hauptsächlich an Fliessgewässern unterwegs ist.
Mit gleichgesinnten Fischern das Gespräch zu suchen, kann sich immer lohnen. Auf meinen Reisen konnte ich so bereits viele Spots und Tipps durch die Offenheit der Fischer herausfinden. Nach einem kurzen Gespräch in einer Bar (Fischtattoo war der Aufhänger) wurde ich sogar einmal auf eine Reise eingeladen. Auch in der Schweiz ist ein kurzes Gespräch meistens willkommen, natürlich ohne mit dem offensichtlichen Ziel, Köder oder Spots abzugucken. Nicht selten entwickeln sich auch gute Gespräche, welche vielleicht sogar zu Freundschaften führen können.
Gibt es für einen Fischer etwas Schlimmeres, als einen Fisch in Folge eines schlampig gebundenen Knotens zu verlieren? Ganz abgesehen vom Frust über den Verlust schwimmt der Fisch dann mit dem Köder im Maul umher. Daher habe ich mir vorgenommen, die Knoten und die Schnur immer wieder zu überprüfen und beim Neubinden exakt vorzugehen.
Es ist nicht so, dass mir das Fischwohl damals weniger wichtig gewesen wäre als heute. Mein Wissen über den schonenden Umgang war jedoch noch weniger ausgereift. Obwohl ich auch heute noch Wert auf schöne Fangbilder lege, gilt die erste Priorität nun ganz klar dem Fischwohl. Vor allem wenn der Fisch zurückgesetzt werden soll, ist es enorm wichtig, ihn so kurz wie möglich an der Luft zu halten. Mit einem grossen Feumer kann man vor der Fisch-Präsentation sein Equipment in Ruhe bereitmachen und dann nur noch abknipsen. Ebenfalls entnehme ich jeden Hecht oder Zander, den ich auf grösserer Tiefe gefangen habe. Die Tiefenkrankheit, welche durch grosse Druckunterschiede ausgelöst wird, äussert sich durch einen kugelrunden und aufgeblähten Bauch.
Mutter Natur kann zuweilen ziemlich ungemütlich werden. Es gibt aber kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Es müssen keine High-End-Produkte sein, jedoch lohnt sich eine Regenjacke mit 15?000 mm Wassersäule trotz Mehrkosten um einiges mehr als eine mit nur 5000 mm. Was ich auch über die Jahre akzeptieren musste: Nur Gummischuhe sind zu 100 Prozent wasserdicht. Gerade an regnerischen Tagen können auch teure Membranschuhe im nassen Gras undicht werden. Es gibt viele moderne Outdoor-Schuhe aus Gummi, welche keinen Tropfen reinlassen. Im Sommer sind diese jedoch nicht geeignet, da sie nicht sehr atmungsaktiv sind. Am Ende ist es wie so oft beim Fischen: Die richtige Kleidung schätzt man vor allem dann, wenn das Wetter plötzlich umschlägt. Wer trocken und warm bleibt, kann sich auch bei schlechtem Wetter weiterhin aufs Wesentliche konzentrieren: das Fischen.
Ich habe an einem Ort zwei grosse Hechte gefangen und dachte, ich hätte das «Honey Hole» gefunden. Die nächsten drei Jahre fing ich an genau dieser Stelle keinen einzigen nennenswerten Hecht mehr. Ich habe mich damals zu sehr auf diese Stelle fixiert und andere Stellen vernachlässigt, welche allenfalls produktiver gewesen wären. Die Natur passt sich von Jahr zu Jahr an und die Bedingungen wechseln immer wieder auf Neue. Daher ist es wichtig, sich nicht nur auf eine Herangehensweise oder Spotauswahl zu limitieren. Ich habe eine grosse Auswahl an Orten, die zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich liefern. Voraussetzung, um solche Orte zu entdecken, ist das Ausprobieren. Es gibt nichts Schöneres, als einen eigenen neuen Top-Spot zu entdecken.
Es muss nicht immer das absolute High-End-Modell sein, um erfolgreich zu fischen. Gerade in unseren Breitengraden und im Süsswasser wird man beispielsweise mit einer Shimano Twin Power kaum an Grenzen kommen, auch wenn eine Stella auf dem Papier nochmals darüber angesiedelt ist. Der hohe Preisunterschied einer Flaggschiff-Rolle zur Rolle direkt darunter ist in meinen Augen meist nicht gerechtfertigt. Selbst kostengünstige Modelle wie die Shimano Stradic / Daiwa Ballistic oder Shimano Curado / Daiwa Tatula werden nicht ohne Grund auch von sehr erfahrenen Anglern eingesetzt. Dasselbe gilt bei Ruten, wo ein solides Mittelklassemodell seinen Zweck teilweise genauso zuverlässig erfüllt wie das deutlich teurere Spitzenmodell. Am Ende fängt nicht der Preis des Materials den Fisch.
Das Fischen ist und bleibt ein Hobby, bei dem man nie ausgelernt hat. Es gibt so viele verschiedene Sparten innerhalb unseres Hobbys, welche man erkunden und für sich entdecken kann. Vom Fliegenfischen über das Bauen von Ruten oder das Binden von Fliegen, hin zum Fischen mit dem Live Scope oder das Schleppfischen – es gibt so vieles zu erlernen. Genau das macht die Fischerei so spannend und bleibt bei vielen ein Leben lang eine Passion. Jeder Fischer hat seine eigenen Angewohnheiten, Tipps und Tricks. Diese verschiedenen Ansichten untereinander zu teilen, stärkt die soziale Bindung und lässt einen das Hobby aus einer anderen Perspektive erfahren. In diesem Sinn: gutes Lernen, viel Spass am Wasser und ein dickes Petri Heil!
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