Der Wels im Basler Rhein
13 | 09 | 2016 SchweizText: Martin Pütter 0168
13 | 09 | 2016 Schweiz
Text: Martin Pütter 0 168

Der Wels im Basler Rhein

Fluch oder Segen?

Einige Fischer mögen den Wels im Rhein verfluchen, andere sehen im grössten Fisch in der Schweiz ein imposantes Geschöpf und einen Helfer im Kampf gegen die Schwarzmeergrundeln. Wer in der Region Basel auf Wels fischen will, muss aber einiges auf sich nehmen.

Es rasselt schon beim Ausholen. Sekunden später klatscht der 100 Gramm schwere Löffel weithin hörbar auf die Wasseroberfläche. «Beim Spinnfischen auf den Wels muss es klappern, klopfen, rattern. Es darf richtig Lärm dabei sein, sei das bei Löffel oder Wobbler. Das reizt den Wels. Die meisten Bisse von Welsen beim Spinnfischen kommen oft auch kurz nach dem Eintauchen des Löffels ins Wasser», sagt Daniel Madörin.
Es ist Anfang Juni, und der 51-jährige Oberwiler (BL) und sein Fischerkumpel Alain Bernet stehen an der Spitze der Kraftwerk­insel Birsfelden am Rhein. Wie in den Wochen zuvor fällt der Regen (wieder einmal) in Strömen vom Himmel. Im Fluss treibt auch schon erneut Schwemmholz. Das Fischen ist erschwert, gelinde gesagt.


Dem Wels stellts auch mal ab

«Der Rhein ist eigentlich schon zu lange zu hoch», sagt Madörin. Er meint den Wasserstand hier knapp oberhalb der Grenze zum Kanton Basel-Stadt. Dabei wäre Hochwasser ja gut, der Wels kommt dann zum Rauben in Ufernähe. Aber seit knapp zwei Wochen haben sich Pegelstand und Fliess­­geschwindigkeit um die Gefahrenstufe 2 (GS2) bewegt, «da stellts auch dem Wels mal ab und die Fressphase endet. Wenn die Wassertemperatur zudem niedrig ist, braucht er auch deutlich länger als sonst für die Verdauung.» Kurz nach Einbruch der Dunkelheit endet der Versuch, wieder mal einen Wels im Basler Rhein mit Spinnfischen zu fangen. «Da hast du einen Fluss mit Welsen vor deinen Füs­sen, und kannst sie nur bedingt gezielt befischen», seufzt er.
Was der Wildtierpfleger (im Bereich Aquaristik) des Basler Zoos auf diesen Abend bezieht, gilt wohl auch generell für den ganzen Rhein in den beiden Basler Halbkantonen. Ein Hindernis für die Welsfischer ist etwa das Nachtfischverbot. Sowohl in Basel-Stadt wie in Baselland gilt dies während der Sommerzeit von 24.00 Uhr bis 05.00 Uhr. Doch der Wels ist eher nachtaktiv.


Baselland mit Ausnahme

Immerhin kommt der Kanton Baselland den Welsfischern etwas entgegen. Die Mitglieder des Baselbieter Fischervereins Birsfelden-Rhein-Birs dürfen nachts dem Wels nachstellen. Dazu müssen sie eine Spezialbewilligung des Kantons haben. So erhält das Amt für Wald beider Basel, in dem Jagd und Fischerei im Baselland integriert sind, Fangzahlen für die Bestandesaufnahmen.
Die Fangzahlen scheinen dabei bescheiden, sowohl für Baselland als auch für Basel-Stadt. Das liegt wohl auch an der geringen Zahl an Fischern, die gezielt dem Wels nachstellen. Madörin schätzt sie auf ein halbes Dutzend im Baselland. In Basel-Stadt sind Welse vor allem Beifänge der Raubfischangler. Auch die Grössen scheinen unter dem zu liegen, was anderswo möglich ist. «Unser grösster Wels aus dem Rhein war 1,32 Meter lang», meint Madörin. Sein Grösster überhaupt, gefangen im Po in Italien, mass hingegen 2,22 Meter.


Kaum Chancen ohne Widerhaken

Eine andere Hürde ist das Widerhakenverbot. «Ohne Widerhaken hat man bei Welsen eher geringe Chancen, sie zu landen», glaubt Madörin. In Seen und Stauhaltungen ist dieses Verbot teilweise wieder aufgehoben. Eine alternative Möglichkeit, um die Fangchance trotz Widerhakenverbot zu verbessern, ist «circle hooks» zu verwenden, bei denen er den Widerhaken abgeschliffen hat und den Köder mit einem kleinen Stück Gummi sichert. Nur darf man damit nicht anhauen, sondern muss einfach auf Spannung gehen und den Fisch «reinlaufen» lassen. Dafür sitzt der Haken dann meist genau im Mundwinkel. Das Abschleifen des Widerhakens erfordert jedoch einigen Aufwand, aber da es keine Schonhaken dieser Grössenordnung gibt, ist es unumgänglich.


Mit Boot aussetzen

Auch beim Fischen vom Boot aus bestehen Unterschiede. In Basel-Stadt ist es generell verboten, in Baselland vom verankerten Boot aus gestattet. Der Kanton Aargau erlaubt im Rhein sogar die Fischerei vom treibenden Boot aus. «Aber dort fahren ja auch keine grossen Schiffe mehr», erklärt Madörin. Was hingegen in beiden Basler Halbkantonen nicht explizit verboten ist: Beim schweren Setzfischen den Köder mit dem Boot (Kanu, Kajak, Weidling, Ruderboot, usw.) auszubringen. Und Madörins bevorzugte Methode ist das Grundfischen mit Stein (anstatt Blei) und Unterwasserzapfen, um den Köder vom Boden zu heben. Der Wels raubt zwar oft dem Grund entlang, aber sein oberständiges Maul erschwert es ihm, direkt vom Grund zu fressen.
Der rührige Oberwiler schaut sich dabei die Wasseroberfläche genau an. Sie zeigt ihm, wo es Strukturen im Fluss hat. «Viele legen ihre Köder dort ab, wo der Fisch liegt. Das bringt wenig Erfolg; ich esse ja auch nicht im Bett», sagt er lachend. Die Schnur, mit der der Stein gebunden wird, ist dabei aus biologisch abbaubarem Material. Er fischt immer mit Gerät, das für den grösstmöglichen Fisch im jeweiligen Gewässer geeignet ist. Und er verwendet nur möglichst fischgerechte Montagen, denn der Fisch kann zugrunde gehen, wenn er abgerissenes Geschirr, womöglich noch mit unzähligen Metern Schnur, im Maul hat. Er verwendet auch kaum mehr Drillinge: «Einerseits um den Fisch zu schonen, und zudem besteht mit Drillingen beim Wallergriff für den Fischer Verletzungsgefahr, da bestrafe ich mich im dümmsten Fall noch selber.»


Rhein-Wels: Jäger statt Sammler

«Der Wels», so Madörin, «verhält sich von Gewässer zu Gewässer verschieden. Er ist Jäger oder Sammler. Im Rhein in der Region Basel ist er eher Jäger, auch oder gerade wegen der Grundeln, die hier zur Plage geworden sind. Trotzdem hat der Wels einen schlechten Ruf unter den Fischern.» Er fresse andere Fische weg. Madörin wirft ein: «Im Murten- und im Bielersee etwa hat es ja viele Welse. Aber dort hat es auch sonst einen guten Fischbestand.» Madörin ist überzeugt, dass sich ein Gleichgewicht einstellt mit Wels, Zander, Rapfen, Grundeln und anderen. Es sind alles Fische, die eigentlich nicht ursprünglich heimisch waren in der Schweiz. Das waren auch der Kaulbarsch und der Sonnenbarsch nicht.
Was Madörin auch oft ärgert, sind Ammenmärchen und aufgebauschte Geschichten. Er nennt das jüngste Beispiel aus dem Wallis. Dort soll eine Frau, die in einem Weiher bei Sion schwamm, von einem Wels gebissen worden sein, wie Tageszeitungen berichteten. «Der Wels beisst nur in zwei Situationen zu: Wenn er extrem Hunger hat und sich dummerweise mal ‹vertut›, oder wenn er seinen Laichplatz verteidigt. Allenfalls sind die äusserst seltenen Bisse von Welsen sowieso nur Schürfungen, da er keine Zähne im eigentlichen Sinn hat und das Schlimmste daran wird am Ende der Schreck sein», so Madörin. Im Basler Rhein ist auf jeden Fall noch kein Schwimmer von einem Wels gebissen worden. Einerseits hat der Wels hier genug Nahrung, auch wegen der Grundeln, andererseits findet er in der Region Basel wenig geschützte Flachwasserzonen, wo er sein Laichbett anlegen kann.

 

 Auch Basels Original unter den Fischern, der Forellen-Toni, hatte schon einen Wels mit seinem Galgen fangen können.

Auch Basels Original unter den Fischern, der Forellen-Toni, hatte schon einen Wels mit seinem Galgen fangen können.

 Zum Spinnfischen auf Wels brauchts auch mal Überwindung: Alain Bernet im strömenden Regen am oberen Becken der Rheinschleuse Birsfelden.

Zum Spinnfischen auf Wels brauchts auch mal Überwindung: Alain Bernet im strömenden Regen am oberen Becken der Rheinschleuse Birsfelden.

 Spinnfischen auf Wels im strömenden Regen kann anstrengend sein: Daniel Madörin und sein Fischerkumpel Alain Bernet (verdeckt) legen auf der Kraftwerkinsel Birsfelden eine Pause ein.

Spinnfischen auf Wels im strömenden Regen kann anstrengend sein: Daniel Madörin und sein Fischerkumpel Alain Bernet (verdeckt) legen auf der Kraftwerkinsel Birsfelden eine Pause ein.

 Rasselt schon beim Aus­werfen, klatscht hörbar, wenn er auf dem Wasser landet: Daniel Madörins Wels-Löffel.

Rasselt schon beim Aus­werfen, klatscht hörbar, wenn er auf dem Wasser landet: Daniel Madörins Wels-Löffel.

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