Schleppen auf Saiblinge
08 | 09 | 2020 PraxisText & Fotos: Ronny Camenisch 0438
08 | 09 | 2020 Praxis
Text & Fotos: Ronny Camenisch 0 438

Schleppen auf Saiblinge

Saiblinge gehören zu den begehrtesten Fischen unserer Bergseen. Diese neugierigen Räuber kann man mit ganz langsam geschleppten Ködern gezielt überlisten. «Petri-Heil»-Autor Ronny Camenisch zeigt, wie er sie an seinen Heimatgewässern fängt.

Der Seesaibling gehört zu den Salmoniden, er ist also ein Edelfisch und wird dieser Bezeichnung nicht zuletzt wegen seiner kulinarischen Qualitäten mehr als gerecht. Sein Fleisch ist sehr fein und saftig. Er ist neben den Mittellandseen auch in unseren grösseren Bergseen heimisch und lebt zumeist ein verborgenes Leben in der Tiefe. Wie kommt man also an diese wundervollen Fische? Bei den Bergseefischern haben sich drei Methoden durchgesetzt, die allesamt sehr effizient sind. Wohl am meisten verbreitetet ist an den Berg- oder Stauseen das aktive Spinnfischen. Doch auch das Fischen mit der Hegene kann spannend und äusserst erfolgreich sein. In diesem Artikel stelle ich eine dritte Methode vor: Das gezielte Schleppfischen auf Saiblinge. 

 
Prädestinierte Gewässer

Gezieltes Saibling-Schleppen ist eine langsame Angelegenheit. Am besten eignen sich dafür Ruderboote, Kajaks oder Motorboote, welche stark gedrosselt werden können. Die Schleppgeschwindigkeit ist konstant zwischen 1,2 km/h und 1,8 km/h, man ist also sehr gemütlich unterwegs. Um vom Boot auf Saiblinge in Bergseen zu schleppen, wird keine spezielle Zusatzausrüstung benötigt. Es braucht nicht viel mehr als ein Boot und natürlich eine nennenswerte Saiblingpopulation im zu befischenden See. Wir haben in der Schweiz ein paar Gewässer, die für diese Fischerei prädestiniert sind. So zum Beispiel der Puschlaversee, der Öschinensee im Berner Oberland, der Melchsee in Obwalden, der Schwyzer Wägitalersee und insbesondere die drei Engadiner Seen. 

Eine grosse Hilfe ist der Einsatz eines Echolots. Damit sehen wir, in welcher Tiefe sich die Saiblingsschwärme aufhalten und können unsere Köder gezielt auf dieser Tiefe platzieren. Falls man die Schwärme nicht auf Anhieb findet, sollte man die Montage etwa einen Meter über dem Grund platzieren und strukturreichen Untergrund suchen. Saiblinge sind sehr neugierige Fische, die sich aus ihren Verstecken herauslocken lassen. Wenn ein Biss registriert oder gar ein Fisch gefangen worden ist, sollte unbedingt eine Marke auf dem GPS gesetzt werden. Häufig halten sich die Fische in der gleichen Region auf, und genau das kann man sich mit dem GPS zu Nutzen machen. 

 
Mit leichtem Spinn-Material

Anders als beim Schleppen auf Hecht braucht es hier keine schwere Rute. Eine Dropshot-Rute oder eine Spinnrute mit sensibler Spitze haben sich als optimale Geräte herausgestellt. Die Rutenlänge ist beim Fischen eher zweitrangig, eine gewisse Länge erleichtert allerdings das Feumern. Ist die Rute zu kurz, kann es passieren, dass der oberste Wirbel des langen Vorfachs am Spitzenring ansteht und das Feumern erschwert, was insbesondere, wenn man alleine auf dem Boot ist, zu einem unguten Ende führen kann. Beim Schleppen wird die Rute nun so platziert, dass sie sofort griffbereit ist und jeder feinste Biss mit einem satten Anschlag quittiert werden kann. 

Häufig fische ich mit einer Stationärrolle in der Grösse 1000 - 2500. Wichtig ist, dass ich mindestens 100 Meter geflochtene Schnur auf die Rolle spulen kann. Eine interessante Alternative zur Stationärrolle ist die Laufrolle. Damit kann das Rauslassen der Köder gut kontrolliert und die Lauftiefe optimal eingeschätzt werden. Ich fische bevorzugt mit einer geflochtenen Felchenschnur im Durchmesser 0,12 mm, die alle fünf Meter die Farbe wechselt. Diese Schnüre sind geschmeidig, fein und man kann die Tiefe des Köders genau ablesen. 

 Erfolg auf dem St. Moritzersee. Ramona Camenisch zeigt zwei prächtige Saiblinge.

Erfolg auf dem St. Moritzersee. Ramona Camenisch zeigt zwei prächtige Saiblinge.

 Auch grosse Saiblinge behalten ihre Neugier. Die auffälligen Löffel am Konvoi locken die Fische zum Köder.

Auch grosse Saiblinge behalten ihre Neugier. Die auffälligen Löffel am Konvoi locken die Fische zum Köder.

 Das Schlepp-System sollte man immer möglichst grundnah anbieten. Die beste Schleppgeschwindigkeit liegt bei ca. 0,8 - 2,0 km/h.

Das Schlepp-System sollte man immer möglichst grundnah anbieten. Die beste Schleppgeschwindigkeit liegt bei ca. 0,8 - 2,0 km/h.


Konvoi und Schleppwinkel

Zwar hat man verschiedene Montagemöglichkeiten, durchgesetzt haben sich aber nur zwei Rigs. Zum einen der Stucki-Konvoi, der schon komplett montiert gekauft werden kann. Man muss einzig noch ein Blei von 40 bis 60 g einhängen und einen Haken mit Vorfach (etwa 30?cm) montieren. Das zweite Rig ist eine selbst gebaute Montage, bestehend aus einem Schleppwinkel, an welchen  ebenfalls ein Blei eingehängt wird. Am langen Schenkel des Winkels wird ein etwa 30?cm langes Fluorocarbon in 0,35 mm Durchmesser angebracht, an welchem ein breiter, etwa 8 cm langer Schlepplöffel montiert wird. Danach wird abermals ein Vorfach mit Schlepplöffel an den ersten Löffel montiert und darauf folgt schliesslich das eigentliche Vorfach mit dem beköderten Haken. Der Schleppwinkel ist nichts anderes als ein grosses Drahtstück in T-Form. Die Schleppwinkel dienen zum einen dazu, dass man nicht ständig verdrehte Löffel oder Haken hat. Und zum anderen kann man mit dem Schleppwinkel das ganze Löffelsystem schön rechtwinklig über dem Grund anbieten. Die Schlepplöffel sollen die neugierigen Saiblinge anlocken, daher ist es wichtig, dass sie rechte Druckwellen im Wasser machen und für ein Maximum an Aufmerksamkeit sorgen. Die Grössen und Farben dürfen ruhig variieren und es darf auch experimentiert werden. Bei den Ködern setzen wir in der Regel auf Bienenmade, kleine Würmer oder tote kleine Köderfische. Es funktionieren aber auch Kunstmaden, Microspoons oder kleine Wobbler. Gerade bei den Spinnködern kann es immer wieder vorkommen, dass sich auch andere Salmoniden als Saiblinge daran vergreifen. So hat man mit dieser Technik nicht selten einen stattlichen Namaycush am Haken.  Ab und zu kommt es auch mal vor, dass eine Forelle den Köder schnappt und einen spannenden Drill liefert. 

 

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