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| 22 | 04 | 2026 | Praxis | |
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Der schwedische Esox-Profi Erich Axner beschreibt uns, wie man mit System grosse Wasserflächen absucht und schneller herausfindet, worauf die Hechte ansprechen.
Das Schleppen ist eine spannende, äusserst effiziente und aufschlussreiche Methode, um ein Gewässer gezielt nach Hechten abzusuchen. Wer grosse Wasserflächen befischt und dabei Tempo, Lauftiefe und Köder variiert, erkennt oft rasch, worauf die Fische an einem bestimmten Tag reagieren. Hier verrate ich Euch meine wichtigsten Tipps für einen erfolgreichen Einstieg in diese Fischerei.
Die meisten Fischer kennen das Gefühl: Man kommt an ein neues Gewässer und fragt sich zuerst, wo man überhaupt beginnen soll. Einfach ins Blaue hinauszuwerfen, kann schnell überfordernd wirken, besonders in Gewässern ohne markante Buchten, Flachwasserzonen oder andere gut erkennbare Strukturen. Speziell schwierig wird es in sehr grossen und tiefen Gewässern, in denen Hechte pelagisch jagen. Der Hecht ist ein Spitzenräuber, der im Verlauf des Jahres weite Strecken zurücklegt und sich oft lange Zeit freistehend im Mittelwasser aufhält. Die Beutefische konzentrieren sich zwar häufig in grösseren Schwärmen, doch die potenziellen Hecht-Standorte können überall sein. Herauszufinden, wo die Hechte an einem bestimmten Tag gerade aktiv jagen, gleicht deshalb oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Genau hier spielt das Schleppen seine Stärken aus. Mit kaum einer anderen Methode kann man grosse Bereiche so effizient absuchen und ein Gewässer schnell «lesen». Im Folgenden geht es um die nötige Ausrüstung, um die Kontrolle von Geschwindigkeit und Tiefe sowie um die Wahl passender Köder und guter Schleppstrecken.
Für den Einstieg braucht es eigentlich keine Spezialausrüstung. Zwei normale Hechtruten genügen bereits, und in vielen Fällen lassen sich auch die Hechtköder vom Spinnfischen verwenden. Eine grosse Hilfe sind jedoch stabile Rutenhalter. Sie erhöhen den Komfort deutlich, machen das Fischen effizienter und geben einem die Hände frei. Wer den Biss direkt in der Hand spüren möchte, kann die Rute natürlich auch nach hinten aus dem Boot halten. Auf längere Sicht ist das allerdings ermüdend. Rutenhalter sorgen auch für einen ruhigeren Lauf des Köders. Weil das Boot auch bei einem Biss weiterfährt, haken sich viele Fische von selbst.
Baitcaster-Rollen mit etwa 0,35 mm starker geflochtener Schnur sind für mich ideal. Mit einem solchen schlichten Setup lassen sich auch kleinere Zonen flexibel befischen, Wendemanöver gelingen gut, und wenn ein Köder einmal Grundkontakt hat, kann man rasch anhalten und umdrehen. Gerade in unbekannten Gewässern kann das immer wieder mal passieren.
Wer das Schleppen intensivieren und mit mehr Ruten grössere Flächen abdecken möchte, muss die Köder weiter seitlich vom Boot wegbringen. Hier kommen Sideplaner ins Spiel: Mit ihnen lassen sich mehr Ruten gleichzeitig fischen, breitere Wasserstreifen absuchen und unterschiedliche Tiefen gezielt anbieten. Rutenhalter sind dabei Pflicht, denn der Zug der seitlich laufenden Planerboards ist zu gross, um die Ruten noch bequem von Hand zu halten. Zu bedenken ist allerdings, dass Hänger mit Paravanen umständlicher zu lösen sind, weil das Anhalten und Wenden dann wesentlich anspruchsvoller wird. Mit etwas Übung und einem guten Gefühl für Köder, Schnurlängen und dem Fahrtempo lassen sich diese Probleme entschärfen.
Das Grundprinzip des Schleppens ist einfach: Die Köder werden beim Vorwärtsfahren durchs Wasser gezogen. Das Boot übernimmt gewissermassen die Köderführung. Wie es angetrieben wird, spielt dabei grundsätzlich keine grosse Rolle. Ob Ruder, Elektro- oder Benzinmotor: Das Prinzip bleibt dasselbe. Ein Motor bringt aber klare Vorteile. Er ermöglicht, dass wir uns voll auf die Ruten konzentrieren können, ohne dass das Tempo oder die Richtung bei einem Biss stark verändert wird. Für effizientes und erfolgreiches Schleppen ist irgendeine Form von automatischem Antrieb deshalb fast unverzichtbar. Zwar kann auch von einem Ruderboot aus geschleppt werden, aber Sideplaner kommen rasch an die Grenzen aufgrund der grossen Widerstände und weil jede Unterbrechung des Ruderns schnell zu Verwicklungen führt.
Die Fahrgeschwindigkeit beeinflusst direkt den Lauf und die Tauchtiefe des Köders. Wer sein exaktes Tempo kennt, kann Bissmuster besser erkennen und erfolgreiche Situationen gezielt wiederholen. Ein Echolot mit Kartenplotter ist dabei hilfreich, weil er nicht nur die Geschwindigkeit anzeigt, sondern auch exakt festhalten kann, wo Bisse erfolgt sind.
Als Faustregel gilt: Je kälter das Wasser, desto langsamer sollte geschleppt werden. Anfang Frühling und im späten Herbst, wenn das Wasser nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt liegt, schleppe ich meist sehr langsam, oft nur mit 1,9 bis 2,4 km/h. So lassen sich auch träge Hechte eher dazu verleiten, vom Grund aufzusteigen und einen Köder zu nehmen. Nähert sich die Wassertemperatur 10 °C, erhöhe ich die Geschwindigkeit auf etwa 2,8 bis 3,3 km/h. Ein etwas zügigeres Tempo provoziert häufig mehr Attacken. Mit Temperaturen ab 15 °C bewegen wir uns dann im bevorzugten Temperaturbereich des Hechts. Da können auch 3,7 bis 4,6 km/h gefahren werden.
Gerade zu Beginn eines Angeltages lohnt es sich, bewusst mit dem Tempo zu spielen. Manchmal löst ein Beschleunigen den Biss aus, manchmal eher ein kurzes Verlangsamen. Ein klassischer Trick beim Schleppen besteht darin, sanfte S-Kurven zu fahren. Die Köder auf der Innenseite der Kurve werden langsamer, jene auf der Aussenseite schneller. Genau dieser Tempowechsel provoziert oft einen Reizbiss. Wichtig ist in jedem Fall, den Lauf des Köders vor dem Auslegen neben dem Boot zu kontrollieren. Nicht jeder Köder funktioniert in jedem Geschwindigkeitsbereich gleich gut.
Wind und Wellen machen eine saubere Tempokontrolle oft schwierig. Gegen den Wind wird das Boot natürlicherweise langsamer, mit dem Wind im Rücken schneller. Besonders das Verlangsamen ist häufig anspruchsvoll, vor allem mit Benzinmotoren, deren Standgas sich nur begrenzt reduzieren lässt. Ein Elektromotor ist in solchen Situationen vorteilhaft, weil sich damit auch tiefe Geschwindigkeiten präziser steuern lassen. Steht keiner zur Verfügung, kann ein Treibanker helfen. Auch ein simpler Eimer hinter dem Boot gezogen, bremst erstaunlich gut.
Bei der Köderwahl sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Geschleppt werden können Wobbler, Gummiköder, Swimbaits, Löffel und sogar Spinnerbaits. Einige Grundprinzipien sollten jedoch beachtet werden. Da das Boot mit konstanter Geschwindigkeit fährt, bestimmt dies auch das Verhalten des Köders. Anders als beim Werfen kann man einen Köder nicht einfach auf eine gewünschte Tiefe absinken lassen und ihn dann beim Einholen passend animieren. Beim Schleppen ergibt sich die Lauftiefe aus Köderform, Gewicht, Fahrtempo und der Länge der ausgegebenen Schnur. Da die Rute fixiert wird, fallen auch die zusätzlichen Aktionen aus. Jerkbaits funktionieren deshalb nur bedingt beim Schleppen.
Wobbler mit Tauchschaufel sind beim Schleppen mit Abstand die gebräuchlichste Ködergruppe. Ihre Bauweise bringt sie zuverlässig auf eine bestimmte Lauftiefe, was eine sehr präzise Präsentation ermöglicht. Gerade in Bereichen mit begrenzter Wassertiefe, in denen Grundkontakt droht, ist das ein grosser Vorteil. Läuft der Köder zu tief und stösst auf den Grund, genügt es oft, etwas Schnur einzuholen, damit er wieder flacher läuft. Für Einsteiger sind schwimmende Wobbler besonders dankbar. Sie tauchen auch bei Tempowechseln oder in Kurven in der Regel nicht tiefer als vorgesehen und steigen beim Anhalten wieder auf.
Gummiköder und Swimbaits bieten noch mehr Flexibilität, weil ihre Lauftiefe in erster Linie über die Beschwerung bestimmt wird. So lassen sich sowohl flache als auch tiefere Bereiche gezielt befischen. Sinkt das Fahrtempo, bewegen sich diese Köder automatisch etwas tiefer. Dadurch können sie weiter unten angeboten werden als viele Wobbler, gleichzeitig steigt aber auch die Gefahr von Hängern, wenn man nicht aufmerksam bleibt. Ein grosser und oft unterschätzter Vorteil: Sie können auch völlig unbeschwert gefischt werden. Das ist besonders interessant in sehr flachen oder stark verkrauteten Bereichen, in denen Wobbler rasch an ihre Grenzen kommen. Da beim Schleppen nicht geworfen, sondern gezogen wird, lassen sich zudem deutlich grössere Köder einsetzen, als man noch werfen könnte. Das eröffnet hervorragende Möglichkeiten, gezielt auf kapitale Hechte zu fischen. Grosse Swimbaits können hier ihre Stärke ausspielen. Sie sehen oft täuschend echt aus, zeigen einen verführerischen Lauf und werden in stattlichen Grössen speziell fürs Schleppen angeboten. Ausgesprochen grosse Köder, vor allem wenn sie natürlichen Beutefischen ähneln, sind oft sehr fängig.
Wie viel Schnur hinter dem Boot ausgegeben wird, beeinflusst die Lauftiefe entscheidend, unabhängig vom verwendeten Köder. In vielen Situationen gelten 15 bis 25 Meter als Standard. Dieser Bereich bietet meist einen guten Kompromiss aus stabilem Lauf, passender Tiefe und genügend Abstand zum Boot. Wichtig ist, die tatsächlich ausgegebene Schnurmenge genau zu kennen. Das lässt sich erreichen, indem man die Schnur vorgängig ausmisst und beispielsweise alle fünf Meter mit einem wasserfesten Marker markiert. Alternativ kann man geflochtene Mehrfarbschnur verwenden, bei der die Farbe in festen Abständen wechselt.
Wer mehrere Ruten direkt hinter dem Boot fischt, sollte die Köder nicht alle auf exakt derselben Distanz laufen lassen. Das erhöht in Kurven die Gefahr von Überkreuzungen und Verheddern massiv. Unterschiedliche Lauftiefen durch Zusatzbleie vor einzelnen Ködern helfen zusätzlich, dieses Risiko zu verringern.
Beim Fischen mit Sideplanern lässt sich gezielt in mehreren Tiefenzonen fischen. Dabei gilt eine wichtige Regel: Die längste Schnur gehört immer an den äussersten Planer. Andernfalls kann sich ein Fisch an der äusseren Rute im Drill leicht mit weiter innen laufenden Montagen verwickeln. Sehr kurze Schnurlängen von 5 bis 10 Metern können in sehr flachen Bereichen sinnvoll sein, sind aber eher die Ausnahme.
Entscheidend ist die Frage: Welche Lebensräume und welche markanten Zonen sind vorhanden? Ein guter Start sind Kanten an Landzungen, Bereiche ausserhalb von Inseln oder überspülte Plateaus. Solche Strukturen gehören oft zu den Hotspots. Es lohnt sich, dieselbe Zone mehrfach zu befischen und die Spur jeweils leicht seitlich zu versetzen, um das Gebiet systematisch abzudecken. Tief laufende Wobbler mit grosser Schaufel sind hier oft ideal, weil sie rasch runterkommen. Ziel ist es, die Köder möglichst nah an jenen Bereichen zu präsentieren, in denen die Hechte stehen. Dafür braucht es zumindest etwas Wissen über die Tiefenverhältnisse. Ein Echolot mit Kartenplotter oder einer Tiefenkarte ist ein grosser Vorteil. Auch flache Buchten oder ausgedehnte Krautfelder können sich gut zum Schleppen eignen. In 3 bis 6 Metern Wassertiefe funktionieren flach laufende Wobbler, nur leicht beschwerte Gummis und Swimbaits besonders gut. Die Schnurlängen und Gewichte werden so abgestimmt, dass der Köder über Grund oder über den Pflanzen läuft. Oft reagieren Hechte auf einen Köder erst, wenn er ihnen sehr nahekommt. Präzision ist deshalb entscheidend.
Wer über Kraut schleppt, sollte den Lauf aufmerksam beobachten. Wenn sich Pflanzen am Köder verfangen haben, sinken die Bisschancen drastisch. In diesem Fall sofort einkurbeln, die Haken säubern und die Montage eventuell mit etwas kürzerer Schnur weiterlaufen lassen. Nicht selten folgt der Biss kurz danach.
Im Freiwasser, wo klassisches Werfen kaum effizient ist, können wir mit Schleppen pelagische Hechte gezielt suchen. Diese Fische ziehen oft weiträumig den umherwandernden Beutefischschwärmen nach. Ohne das Schleppen sind solche Fische sehr schwierig zu finden und zu fangen. Der mögliche Lohn ist aber gross, denn diese Hechte sind oft besonders kräftig und kapital. Hier darf ruhig mit stattlichen Ködern gefischt werden. Bisse kommen im Freiwasser selten, doch wer systematisch Fläche macht, kann mit Chancen auf einen echten Ausnahmehecht rechnen.
Vor dem Köder sollte immer ein ausreichend langes Hechtvorfach montiert werden. Niemals eine geschleppte Schnur um die Hand wickeln, denn bei vorwärts fahrendem Boot besteht erhebliche Verletzungsgefahr. Ein Messer sollte griffbereit sein, falls es zu Verwicklungen kommt. Ebenso gehört ein grosser, stabiler Feumer zur Standardausrüstung. Und nicht zuletzt gilt: vor dem Schleppen die lokalen Vorschriften prüfen. Nicht immer ist das Schleppen mit Motor erlaubt und oft gibt es Begrenzungen bei der Rutenanzahl oder Sperrzonen.
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