[Radstadt, Österreich:] </br>Wo Forelle und Saibling wohnen
29 | 05 | 2026 ReisenText & Fotos: Nils Anderson 058
29 | 05 | 2026 Reisen
Text & Fotos: Nils Anderson 0 58

Radstadt, Österreich:
Wo Forelle und Saibling wohnen

Das Gebiet um Radstadt am östlichen Ende des Salzburgerlandes hat einen guten Salmonidenbestand und bietet optimale Bedingungen für erholsame Ferien. «Petri-Heil» erkundete die Gewässer Enns und Lohbach und war dazu im Sporthotel Radstadt einquartiert.


Am zweiten Tag der Sommersaison stehen wir an der Rezeption des Sporthotels Radstadt. Es geht betriebsam zu und her, das neue Team hat noch einige Kleinigkeiten einzurichten und anzupassen, doch der guten Laune tut dies keinen Abbruch. Derweil ist draussen noch nichts von Sommer zu spüren, ganz im Gegenteil. Bis auf etwa 1100 Meter hinunter hat es Schnee, Radstadt selbst liegt auf 850 Meter über Meer. Wie werden die Fische auf diese winterlichen Verhältnisse reagieren?

Um es vorwegzunehmen: Vernagelt waren ihre Mäuler keineswegs! Voller Vorfreude erwarteten wir zweieinhalb Tage Bachfischen. Wir hatten warme und regenfeste Kleidung eingepackt und waren entsprechend gut vorbereitet auf Temperaturen im einstelligen Bereich und viel Regen. Doch Petrus hatte ein Einsehen: Die Regenfälle waren geringer als vorhergesagt und so war gutes Fischen möglich.

 Immer wieder trifft man in der Enns auf besonders hübsch gezeichnete Bachforellen.

Immer wieder trifft man in der Enns auf besonders hübsch gezeichnete Bachforellen.


Nymphen und Streamer am Rand der Strömung

Der erste Fischertag beginnt nach einem hübschen Frühstück mit einer Gewässerbesichtigung. Harald, ein leidenschaftlicher und umsichtiger Gewässerbetreuer und Fliegenfischer, der zusammen mit seinen Freunden schaut, dass hier alles seine Ordnung hat, zeigt uns die verschiedenen Hotspots. Harald ist sichtlich erleichtert über den Regen, welcher eine sehr lange Trockenphase ein wenig mildern konnte. Die Enns kommt etwas höher und mit einem leichten Stich daher und wie sich zeigen wird, reagiert sie schnell. Klingt der Regen ab, klart der Bach sogleich wieder auf und der Pegel sinkt umgehend.

Über weite Strecken ist die Enns ein schnellfliessender Bach, der oft gerade verläuft. Sind die Fische nicht aktiv am Fressen in der Mitte des Gewässers, warten sie an der Seite auf ihre Chancen. Guide Harald hat uns Streamer empfohlen, doch ebenso gut – und etwas leichter im Handling – funktioniert eine schwere, buschige Nymphe. Beim Treibenlassen kümmert sich selten ein Fisch ums Angebot, doch sobald man sie gegen die Strömung mit kurzen Pausen einstrippt, beginnt das die Bewohner der Enns augenblicklich zu interessieren.

 Auf Äschen trifft man in der Enns immer wieder. Damit das so bliebt, lassen sie die Fischer wieder schwimmen.

Auf Äschen trifft man in der Enns immer wieder. Damit das so bliebt, lassen sie die Fischer wieder schwimmen.


Fischerei noch vor dem Frühstück

Mitten im Dorf ist ein Abschnitt der Enns revitalisiert worden. Hier findet und fängt man Äschen, Bach- und Regenbogenforellen. Besonders das obere Ende des Abschnitts ist für den einen oder anderen Fisch attraktiv. Ideal gelegen, um vom Hotel aus noch vor dem Frühstück eine gute Stunde mit kurzweiliger Fischerei zu verbringen, bevor an diesem Abschnitt die Tagesbetriebsamkeit durch Nicht-Fischer zu gross wird. Etwas stromabwärts beginnt die Fliegenfischerstrecke, welche sich über etwa drei Kilometer erstreckt und auch die beiden Hotspots, die Mündung des Lohbachs und des Tauerbachs, umfasst. Besonders unterhalb der Tauerbachmündung befindet sich eine interessante Strecke, die zwar nicht ganz einfach zu begehen ist, doch optimale Verhältnisse für grössere Fische aufweist. Zudem ist hier die eine Seite frei von Bewuchs und bietet Raum für ausladende Würfe, allerdings auch wenig Deckung für den Fischer.

 Im revitalisierten Abschnitt warten alle Arten von Abnehmern auf die Köder. In diesem Fall eine Regenbogenforelle.

Im revitalisierten Abschnitt warten alle Arten von Abnehmern auf die Köder. In diesem Fall eine Regenbogenforelle.


Revitalisiertes Filetstück

Am unteren Ende der Strecke, circa zehn Minuten Autofahrt entfernt, liegt das eigentliche Filetstück. Hier wurde die Enns grosszügig revitalisiert: Mit Holzverbauten, Blocksteinen und Lenkbuhnen wurde eine dynamische Strecke geschaffen. Die Fische danken es; alle Unterstände sind mit guten Forellen und sogar Saiblingen besetzt und in den langen Zügen warten Äschen auf Nahrung. Vor Ort vergeht die Zeit wie im Flug, es lohnt sich die grossen Pools intensiv und immer wieder abzuklopfen. Die Enns ist zwar über grosse Strecken begradigt, doch gibt es keine Dämme, welche das Geschiebe zurückhalten. Entsprechend ist das Substrat richtig gut. Der grobe Kies ist locker und bietet Versteckmöglichkeiten und Lebensraum für Kleinfische wie die Groppe und zahlreiche Wasserinsekten, welche die Grundlage des Fischbestands bilden.

 Der Lohbach mit seinen perfekten Unterständen ist fest in der Hand der Bachforellen, die hier in allen Grössen vorkommen.

Der Lohbach mit seinen perfekten Unterständen ist fest in der Hand der Bachforellen, die hier in allen Grössen vorkommen.


Unter den grossen Krautfahnen

Einen ausgedehnten Besuch wert ist auch der Lohbach, ein anderthalb bis zwei Meter breiter Quellbach, der wie eine Miniatur-Version eines Kalkflusses aus England oder Slowenien daherkommt: Grosse Krautfahnen bieten zahlreichen Bachforellen in allen Grössen Unterstand und Nahrungsquelle. Die Fischerei ist hier allerdings herausfordernd, besonders wenn man vorher schon einige Fische gefangen hat. Auch sind sorgfältige Bewegungen und Ruhe entscheidend für den Fang. Die Fische sind nämlich scheu und oft nur auf einige Distanz zu überlisten und haben dazu noch ausgeprägte Aktivitätsfenster. Wer hier zu ungeduldig auftritt, sorgt in den Unterständen sofort für helle Aufregung unter den Kleinfischen und dann bleibt einem nur noch das Staunen über das grosse Gewusel, welches man ausgelöst hat.

Als wir den oberen Teil besuchen, haben wir auf Anhieb zwei schöne Fische um die 35 Zentimeter im Feumer und verpassen einen dritten. Danach ist wie abgestellt. Jetzt heisst es, entweder eine Pause einzulegen oder dann erst anderntags wiederzukommen. Wer übrigens eine kurze Rute dabei hat, welche genaue Würfe erlaubt, ist im Vorteil. Am besten nimmt man sich genügend Zeit und fischt richtig sorgfältig Meter um Meter.

 Der Lohbach mit seinen perfekten Unterständen ist fest in der Hand der Bachforellen, die hier in allen Grössen vorkommen.

Der Lohbach mit seinen perfekten Unterständen ist fest in der Hand der Bachforellen, die hier in allen Grössen vorkommen.


Hervorragender Plan B

Sollten Enns und Lohbach zu viel Wasser führen, kann man immer noch mit der Seilbahn an einen sehr gut bestückten Bergsee hochfahren. Doch da es bei unserem Besuch schon auf knapp 900 m ü. M. einstellige Temperaturen hat, kommt dieser Ausflug leider nicht in Frage. 

Hoteldirektor Christian Wendt freut sich auf neue Fischergäste. Seit dem Besitzerwechsel des Hotels ist der Fischereitourismus zwischenzeitlich etwas eingeschlafen. Für diejenigen, die vor Ort fischen, ist dies natürlich ein Glücksfall: Man ist quasi allein auf weiter Flur. Doch Enns und Lohbach vertragen durchaus ein paar Fischer. Dafür sorgt nicht zuletzt der üppige Besatz mit grossen Saiblingen und Forellen, die den guten Bestand an wilden, naturverlaichten Fischen ergänzen. Von letzteren gibt es reichlich: Weit über die Hälfte unserer Fänge sind Wildfische, darunter auch ein halbes Dutzend Äschen. Dies, obwohl unser Gewässerführer Harald meinte, dass diese nicht bewirtschaftet würden und nur noch vereinzelt anzutreffen seien. Bei unserer Abreise werden wir vom gutgelaunten Hotel-Team herzlich verabschiedet. «Wir haben hier 25 Mitarbeitende aus 13 Ländern, für einen lebendigen Mix ist also gesorgt», meint Direktor Wendt, «die Laune stimmt im Team und trotzdem wissen alle, was zu tun ist.»


Fischer-Info

Das Sporthotel Radstadt bietet nebst dem Fischen eine Vielzahl von Aktivitäten und verfügt über Sauna, Spa, Pool und vieles mehr. Fischer­lizenzen sind kombinierbar mit allen Angeboten des Hotels. Die Anreise aus der Ostschweiz dauert via Chiemsee etwa fünfeinhalb Stunden.


Sporthotel Radstadt ****

sporthotel-radstadt.com
Schlossstraße 45
5550 Radstadt
Österreich
+43 6452 55 90
info@sporthotel-radstadt.com

 Die Saiblinge aus der Enns werden aktiv bewirtschaftet und geben der Fischerei willkommene Farbtupfer.

Die Saiblinge aus der Enns werden aktiv bewirtschaftet und geben der Fischerei willkommene Farbtupfer.

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