Mit Twitchbaits auf Zander
12 | 09 | 2024 PraxisText & Fotos: Chris Chew | aus dem Englischen von Ruben Rod 06293
12 | 09 | 2024 Praxis
Text & Fotos: Chris Chew | aus dem Englischen von Ruben Rod 0 6293

Mit Twitchbaits auf Zander

Du fischst gerne aktiv mit Wobbler­ und möchtest damit­ auch Zander überlisten­? Chris Chew hat die Twitchbaits für eine langsame und effektive Fischerei auf den begehrten Raubfisch mit dem ruhigen Temperament­ entdeckt.


Ich bin ein Fischer, der gerne wirft und wirft. Je aktiver eine Fischereitechnik ist, desto mehr gefällt sie mir. Hardbaits mag ich lieber als Gummis. Das ist vielleicht der Grund, warum man meine Zander bis vor kurzem an zwei Händen abzählen konnte. Als mein Freund Fred mich vor ein paar Jahren eingeladen hatte, mit ihm auf Zander zu fischen, zögerte ich zunächst. Aber als er mir sagte, dass wir es mit Wobbler versuchen werden, war ich sofort dabei. Und nun bin ich doch noch auf den Geschmack der Zanderfischerei gekommen.

 Wobbler mit einer «suspending» Aktion gibt es heute in vielen Varianten verschiedener Hersteller. Doch nicht alle eignen sich gleich gut als Twitchbait.

Wobbler mit einer «suspending» Aktion gibt es heute in vielen Varianten verschiedener Hersteller. Doch nicht alle eignen sich gleich gut als Twitchbait.


Besondere Aktion

Die Twitchbaits haben ihren Ursprung in der Barschfischszene der USA und Japan, wo sie einen guten Ruf als Kalt­wasser­köder haben, der auch passive Fische zum Anbiss verleiten kann, wenn andere Köder versagen. Mit diesen Hardlures wurden Wettbewerbe gewonnen und Rekorde gebrochen. Was macht diese Köder so besonders? In erster Linie ist es für mich die Möglichkeit, diese Köder so lange in der Schwebe zu pausieren, wie man möchte. Wenn man an Zander denkt, ist man schnell bei den Gummis, so wie ich bisher auch.

Beim Vertikal- oder Dropshotfischen mit Softbaits kann man auch so lange direkt vor einem Zander abhängen, wie man will. Doch ein Twitchbait kann noch etwas ganz anderes in der fängigen Zone, nämlich plötzlich in alle Richtungen ausbrechen. Unberechenbare Sprünge, gemischt mit langen, bewegungslosen Pausen: Das ist ein Mix, dem auch die Zander nicht widerstehen! Und ebenso ziemlich jeder andere Raubfisch da draussen wird bei einem gut präsentierten Twitchbait schwach.

 Unterschiedliche Tauchschaufeln für unterschiedliche Tiefenzonen. Entscheidend für Twitchbaits ist deren Fähigkeit, bei einem Stopp an Ort und Stelle zu verharren und bei einem Rutenschlag in die lockere Schnur überraschend in verschiedene Richtungen auszubrechen.

Unterschiedliche Tauchschaufeln für unterschiedliche Tiefenzonen. Entscheidend für Twitchbaits ist deren Fähigkeit, bei einem Stopp an Ort und Stelle zu verharren und bei einem Rutenschlag in die lockere Schnur überraschend in verschiedene Richtungen auszubrechen.


Richtige Tiefe und Führung

Ich habe mit diesen Ködern in verschiedenen Gewässern gefischt, darunter vor allem grosse holländische Flüsse und Kanäle. Diese Gewässer sind recht tief und haben vielfach ausgedehnte Abhänge mit Tiefen zwischen eineinhalb und vier Metern, wo die Zander regelmässig zu finden sind. Oft stellen sie sich knapp über oder auf den Grund und sind tagsüber passiv. Mit einem tief tauchenden Jerkbait können solche Fische auch dort erreicht werden. Es gilt dann insbesondere, die richtige Animation zu finden. Die meisten Twitchbaits sind «suspending» und verharren bei einem Stopp bewegungslos in der Wassersäule oder sinken nur sehr langsam. So kannst Du den Köder sekundenlang an der gleichen Stelle halten, bevor Du ihn wieder zum Leben erweckst.

Manchmal bevorzugen die Zander einen äusserst langsam gefischten Köder mit langen Pause bis zu 5 Sekunden. An anderen Tagen sind sie aktiver und reagieren auch auf einen rascher und mit kürzeren Pausen geführten Twitchbait positiv. Ein Twitchbait schiesst nämlich ähnlich wie ein verletzter oder verängstigter Köderfisch umher und vermittelt den Eindruck einer leichten Beute. Hast Du die passende Geschwindigkeit und Führung, kannst Du früher oder später mit einem typischen Hammer-Zanderbiss rechnen! Mit dieser Fischerei bietest Du einen Köder und eine Präsentation an, die hierzulande nur selten zu sehen ist.

 Für die Fischerei mit Twitchbaits schätze ich nicht zu lange Baitcast- Ruten mit einer schnellen Aktion.

Für die Fischerei mit Twitchbaits schätze ich nicht zu lange Baitcast- Ruten mit einer schnellen Aktion.


Die Führung erlernen

Ich habe das Twitchbait-Fischen nicht erfunden und musste es auch erlernen. Zum Glück gibt es auf YouTube jede Menge Tutorials zu diesem Ködertyp. Denn der Schlüssel zum Erfolg ist hier die richtige Technik! Besonders hilfreich für mich waren die Videos von Kevin Van Damme, in denen er erklärt, wie man den berühmten Strike King KVD Jerk benutzt. Man muss diesen Hardbaits die Freiheit geben, dorthin zu schwimmen, wohin sie wollen!

Wenn ich ausgeworfen habe, mache ich als erstes zwei bis drei Kurbelumdrehungen, um den Twitchbait in die Strikezone runterzubringen. Dort halte ich ihn dann eine Sekunde lang und starte schliesslich den ersten Schlag mit der Rutenspitze. Nach jedem Rutenschlag – und das ist der wichtigste Teil – lässt man den Köder locker. Nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber der Köder braucht diese Lockerheit, damit er nach links, rechts oder in eine andere Richtung ausschlagen kann. Nach diesem Sekundenbruchteil ziehst Du das Stück Schnur wieder ein, bis Du wieder fast Spannung auf der Schnur hast.

Nun kannst Du den Twitchbait einfach einen Moment schweben lassen und auf einen harten Schlag am anderen Ende der Schnur hoffen! Du kannst mit mehreren Rutenschlägen nacheinander variieren, mache die Pause mal länger oder kürzer. Das Wichtigste bei dieser Technik ist, dass der Twitchbait nicht hineingeleiert wird (ausser zu Beginn, um auf die Tiefe zu kommen), sondern immer mit der Rute bewegt wird. Nur die lockere Schnur nach den Schlägen wird eingeholt. Die Aktion des Köders kommt bei dieser Technik von der Rute, nicht von der Rolle. Versuche, ein Jerkbait-Magier zu werden und Deine Rute wie einen Zauberstab einzusetzen, um den Köder zum Leben zu erwecken!

 Der sportliche Eindruck des Zanders täuscht. Dieser Raubfisch bewegt sich träge und reagiert am besten auf langsam geführte Köder.

Der sportliche Eindruck des Zanders täuscht. Dieser Raubfisch bewegt sich träge und reagiert am besten auf langsam geführte Köder.


Hardbaits anpassen

Nicht alle Wobbler sind «suspending». Vielleicht hast Du ein paar Köder in der Kiste, die schwimmend sind, aber auch für diese Technik verwendet werden könnten. Manchmal reicht ein langes und schweres Fluorocarbon-Vorfach bereits aus, um solche Köder in die Schwebe zu bringen. Eine weitere Möglichkeit, einem Wobbler den gewünschten Auftrieb zu verleihen, ist ein wenig Bleidraht an den Haken. Du kannst solche Köder in einem Wassereimer beobachten und genau austarieren. Wenn Du es perfekt machen willst, kannst Du die Montage inklusive Vorfach und Clips austesten. Ich fische meine Köder stets mit einem langen Fluorocarbon-Vorfach von etwa 0,3 mm Dicke.

In Gewässern mit guten Hechtvorkommen verwende ich lieber ein dünnes Stahlvorfach. Mag sein, dass ein solches Vorfach die Präsentation gewisser Twitchbaits erschwert. Doch ich will keinen Hecht verlieren oder einen Fisch mit Haken im Schlund zurücklassen. Als ich letztes Jahr ein 112 cm langes Krokodil am Haken hatte, war ich während des langen Drills sehr froh um das kleine Stück Stahlvorfach.

 Dieser Salmo Rattlin Sting DR ist einfach zu schön, um ihn nicht zu fischen. Weil er zu viel Auftrieb hatte, habe ich ihn mit etwas Bleidraht angepasst und für mich zum perfekten Twitchbait gemacht.

Dieser Salmo Rattlin Sting DR ist einfach zu schön, um ihn nicht zu fischen. Weil er zu viel Auftrieb hatte, habe ich ihn mit etwas Bleidraht angepasst und für mich zum perfekten Twitchbait gemacht.


Rute und Rolle

Meiner Meinung nach ist eine ideale Rute zum Twitchen nicht länger als 2 m, mit einer extra schnellen Aktion und einer etwas weicheren Spitze. So kann der Köder richtig animiert werden und selbst ein feiner Biss bleibt nicht unbemerkt. Moderne Wobbler haben oft ein Weitwurfsystem eingebaut und lassen sich weit hinauskatapultieren, so dass viel Wasser abgesucht werden kann. Ein zu langes Endstück stört mich beim Bewegen der Rute, daher mag ich diesen Teil lieber etwas kürzer. Eine weichere Rutenspitze bietet etwas Spielraum im Drill, wenn ein gehakter Räuber versucht, die Haken abzuschütteln.

Doch es braucht auch ein gutes Rückgrat, um die Haken richtig zu setzen! Die Rute meiner Wahl ist derzeit eine Lew’s Custom Lite Jerkbait/Topwater-Rute, die für eine solche Fischerei konstruiert wurde. Manche bevorzugen Spinnrollen, andere Baitcaster. Beides geht, aber die Rolle sollte leicht und bequem zu bedienen sein. Wir fischen bei dieser Technik schliesslich besonders aktiv mit vielen Stop-and-Gos. Ich fische eine Leichtgewicht-Baitcaster, weil diese bequem in der Hand liegt, genauso weit wirft wie eine Spinnrolle und mir eine gute Kontrolle über die Köderführung gibt. Bespult ist sie mit einer hochwertigen 0,1 mm geflochtenen Schnur in einer leuchtend roten Farbe, damit ich die Leine stets gut verfolgen kann. So verpasse ich keine Bisse in die lockere Schnur.


Köder in meiner Box

Schlanke Twitchbaits in den Grössen 9 bis 12 cm sind ideal für einen Zander-Snack. Ich fische beispielsweise:

  • Strike King KVD Jerk 200
  • Strike King KVD Jerk 300 and 300 deep
  • Salmo Rattlin Sting DR
  • Megabass Oneten +1, +2, +3
  • Rapala Husky Jerk Deep
  • Yasei Trigger Twitch

Spinnrute mit schneller Aktion, Rolle, Vorfach, Twitchbait und los gehts!


 

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