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| 13 | 03 | 2026 | Reisen | |
| 13 | 03 | 2026 | Reisen |
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«Petri-Heil»-Redaktor Robin Hrovatic erlebt in Trondheim mit seiner Familie einen besonderen Norwegen-Trip. Nach zahlreichen anfänglichen Schwierigkeiten entpuppt sich die Reise als denkwürdiges Abenteuer ohnegleichen.
Bisher lief Fischen in Norwegen so: Papi darf einmal pro Jahr allein oder mit Freunden in sein gelobtes Land, fängt dort eine Menge Dickfisch und kann sich dann wieder zu Hause mit beeindruckenden Fotos vor seinen Kindern als grosser Fischermeister aufplustern. Diesmal soll alles anders sein. Er schnappt sich seine Partnerin Selina und seine Kinder Enya und David und lässt sie endlich teilhaben an seinem alljährlichen Auftanken am fischreichen Kraftort.
Während Selina ebenfalls einen SaNa hat und mit Robin schon einige Fischerabenteuer erleben durfte – unter anderem ihren ersten Lachs, während er leer ausging –, haben die Kinder zwar seit sie kaum gehen können Fischererfahrungen mit Papi gesammelt. Ein Egli an der Hegene da, eine Schwale am Mädli dort – aber so richtig dicke Fische gabs für sie bisher noch keine. Papis Plan: Am Fjord die 40–100 g schweren Pilker auswerfen und vor allem den Kindern die Rute zum Kurbeln überlassen, bis es «Wumms!» macht. Soweit die Theorie.
Der Reality-Check beginnt bereits am Flughafen. Unser zweiter Flug fällt aus. Wegen eines grossen Sturms um Trondheim, der Dutzende Strommasten umnietet, Rotoren von Windturbinen bersten lässt und 100'000 Norweger vom Strom trennt, ist an eine Landung nicht zu denken. Wir stranden in Kopenhagen und verlieren einen Ferientag in unserem Traumhäuschen am Fjord.
Am nächsten Abend kommen wir zwar an, aber das Haus ist noch ohne Strom – dafür mit umso mehr Kerzen und Kuschelfaktor. Draussen wütet der Sturm weiter. Er sollte die ganze Woche anhalten, mit täglichen Böenspitzen über 100 km/h, und uns nur zwischendurch für ein paar Stunden verschonen.
Noch schwerer wiegt bei der Ankunft jedoch, dass nur ein Koffer angekommen ist. Immerhin Enyas – die Kinder sind also mit frischen Kleidern versorgt. David trägt die zu grossen Sachen seiner Schwester mit Fassung. Und ich? Ich stehe am lang ersehnten Ort meiner Träume, rieche die Fische förmlich – und habe keine Rute dabei. Echt jetzt?
Am folgenden Vormittag trifft das nächste Gepäckstück ein: Selinas Koffer. Immerhin. Alle sind versorgt. Nur ich nicht – zumindest nicht fischereitechnisch. Ohne frische Kleider? Kein Problem. Aber ohne Rute? Himmel, sei mir gnädig.
Da meint Selina plötzlich: «Geh doch mal in den beiden Schuppen ums Haus schauen, ob dort vielleicht irgendwo eine Rute rumliegt.» In Gedanken zitternd, laufe ich langsamen Schrittes zu den Schuppen – und ich kann mein Glück kaum fassen: Hinter der zweiten Tür stehen tatsächlich zwei alte Ruten. Am Boden liegen auch noch drei leicht verrostete, kleinere Pilker. Ich bastle mir aus diesem Material ein Set-up, das ich zu Hause kaum beachten würde, aber jetzt in der Misere Gold wert ist. Der oberste Ring fehlt, die Monofile hat bessere Zeiten gesehen – egal. Ein Wurf muss her. Das Wasser ist nur wenige Schritte entfernt. Nach ein paar Würfen hängt nach ersten zaghaften Anfassern der erste Pollack. What a relief!
Am nächsten Tag kommt Davids Koffer an – meiner fehlt weiterhin. Ein Ausflug in die nächste Stadt schafft Abhilfe, inklusive frischer Kleider und neuem Gerät. Am Nachmittag können wir endlich gemeinsam mit zwei Ruten loslegen. Selina fischt weiterhin mit dem alten Stock, während ich die Kinder kurbeln lasse. Der Fjord lässt uns nicht im Stich. Enya und David fangen nacheinander ihre ersten Fische in ansprechender Grösse.
Plötzlich ruft Selina: «Robin, chomm!» Ihre Rute krümmt sich beträchtlich. Gemeinsam landen wir den grössten Dorsch der Woche. Dem alten Stock sei Dank. Dankbar ist auch der Mink, der unter der Veranda des Ferienhaus wohnt und sich den Dorschkopf sichert.
Am vierten Tag trifft endlich auch mein Koffer ein. Die minutiös vorbereiteten Köder und vorgebundenen Ruten kommen nun doch noch zum Einsatz. Trotz Sturm und Dauerregen steuern wir gut gelaunt eine vielversprechende Plattform an. Und die hat es in sich. Alle fangen Fisch – doch David hat heute seinen grossen Tag. Nach dem Wurf mit einem grösseren Pilker überlasse ich ihm die Rute. Konzentriert kurbelt er, setzt sogar Spinnstopps. Plötzlich beginnt er mit dem ganzen Körper zu wackeln, begleitet von lauten «Boah-krass»-Rufen. Kurz darauf stemmt er den grössten Fisch seines Lebens, einen prächtigen bronzefarbenen Pollack. Kurz darauf kommen auch noch sein erster Dorsch und seine erste Makrele dazu.
Am letzten Tag fischen wir unter einer Brücke. Schutz vor Regen bietet sie kaum, aber rund um die Pfeiler sollte etwas gehen. Seelachse, Pollacks und sogar Meerforellen beissen – alle in etwa gleicher Grösse.
Enya hat genug davon, vom Papi bevormundet zu werden und den schweren drillingsbewehrten Köder nicht selbst werfen zu dürfen. «Darf ich endlich auch mal selber werfen?»
Zähneknirschend willige ich ein, wende mich ab, um nicht alles mitansehen zu müssen und überlasse sie ihrem Schicksal. Keine fünf Würfe später schreit sie: «Papi, ech ha eine!» Und so darf Enya ihren allerersten, komplett selbst beim Spinnfischen gefangenen Pollack ihr Eigen nennen. Ich gratuliere ihr stolz zu diesem emanzipatorischen Schritt.
Papi Robin hat in dieser Woche nicht mit Grossfischen aufgetrumpft. Die grössten Fische fingen Selina und David. Ein Supplement gab es dennoch – in Form eines stattlichen Knurrhahns am Abschlusstag. Das eigentliche Auftrumpfen bestand diesmal im Loslassen. Darin, den anderen die Bühne zu überlassen – und gemeinsam unvergessliche Erlebnisse zu sammeln. Family Fishing eben.
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