Die Äsche
09 | 10 | 2017 DiversesText: Nils Anderson 0601
09 | 10 | 2017 Diverses
Text: Nils Anderson 0 601

Die Äsche

Die Äsche gilt nicht nur ihrer «Fahne» wegen als Kultfisch und geniesst bei uns Fischern ein entsprechend hohes Ansehen. Äschenläufe werden von den Fischern mit gutem Grund sorgsam behütet, denn wer weiss wo die Äschen stehen, fängt sie auch. Ein Portrait über eine etwas sonderbare Fischart.

Wenn  im Herbst die Pegelstände der Flüsse sinken und das Wasser immer mehr aufklart, denken die wenigsten Flussfischer an die Bachforelle. Jetzt ist vielmehr die Zeit der Äsche da und magische Herbstmorgen mit Nebel und den ersten leichten Frösten versprechen schöne Fischereierlebnisse.
Für die Äsche selbst ändert sich mit dem Jahreszeitenwechsel nicht besonders viel. Sie steht wie eigentlich immer ganz nah am Flussgrund mitten in der Strömung und hält tagein, tagaus Ausschau nach Treibnahrung. Meistens sind es Insektenlarven, Bachflohkrebse und ins Wasser getragene Fluginsekten, denen die Äsche bevorzugt nachstellt. Bei der Futtersuche ist die Äsche ganz auf «ihren Lauf» ausgerichtet. Was zu weit links oder rechts vorbei treibt, findet keine Beachtung. Wer die Äschen von einer Brücke aus beobachten kann, sieht einen aktiven Fisch: Beinahe pausenlos ist die Äsche auf Futtersuche, ganz anders als beispielsweise der Hecht, der über Stunden, ja Tage regungslos an seinem Standort verharren kann. Und während die Forelle gerne in einem geschützten Unterstand ein ziemlich verborgenes Leben führt, hat die Äsche für derlei Plätze gar kein Interesse übrig. Sie ist vielmehr ein geselliges Wesen, das in Sichtweite zueinander in Gruppen mitten im offenen Wasser steht.


Gemeinsamkeiten von Äschen und Felchen

Die Äsche, die wie die Felchen zur Familie der Lachsartigen gehört, hat mit den Felchen einige Gemeinsamkeiten. Es ist nicht nur die für die sogenannten «Edel­fische» typische Fettflosse, auch bei der Beschaffenheit des Schuppenkleids, den Augen und der Kopfform und schliesslich der Körpergrösse findet man frappante Ähnlichkeiten. Auch der Geruch des frischen Fleisches ist bei Felchen und Äschen ähnlich. Ob die Äsche jetzt tatsächlich nach Thymian (weshalb ihr der schwedische Naturforscher Carl von Linné den Namen Thymallus gab) oder nach Gurken oder Flusskies riecht, bleibe dahingestellt.
Eine spezielle Eigenheit der Äsche ist natürlich die markant ausgeprägte und wunderschön anzusehende Rückenflosse, die sogenannte «Fahne», die besonders während der Laichzeit intensiv gefärbt ist. Als Überlebensstrategie hat sich die Äsche besonders auf schnelles Wachstum spezialisiert. Bei gutem Nahrungsangebot ist sie in der Lage, innerhalb von zwei Jahren Geschlechtsreife und Längen von an die 30 Zentimeter zu erlangen.

 Ein guter Äschenbestand ist ein Güteindikator der Wasserqualität.

Ein guter Äschenbestand ist ein Güteindikator der Wasserqualität.

 Die birnenförmigen Pupillen der Äsche (grosses Bild) ermöglichen ein grosses Blickfeld nach vorne und ähneln stark dem Felchenauge (links).

Die birnenförmigen Pupillen der Äsche (grosses Bild) ermöglichen ein grosses Blickfeld nach vorne und ähneln stark dem Felchenauge (links).

 Fangen lässt sich die Äsche mit grundnah geführten Nymphen, aber auch mit einer relativ breiten Palette von Ködern an der Zapfenrute. Gerade beim Äschenfischen leistet die Laufrolle wertvolle Dienste bei der Köderpräsentation.

Fangen lässt sich die Äsche mit grundnah geführten Nymphen, aber auch mit einer relativ breiten Palette von Ködern an der Zapfenrute. Gerade beim Äschenfischen leistet die Laufrolle wertvolle Dienste bei der Köderpräsentation.


Von Natur aus ein häufiger Fisch

Eigentlich ist die Äsche von Natur aus ein häufig vorkommender Fisch und ihr Vorhandensein ist für ihren Lebensraum charakteristisch, man spricht – wie wir alle vom Schweizer Sportfischer-Brevet her wissen – bei den entsprechenden Flussabschnitten von der Äschenregion.
Zuweilen findet man sie sogar  in den Seen. So sind Äschen früher im Zürcher See­becken beobachtet und gefangen worden. Insbesondere wenn es in den Flüssen zu warm ist, zieht es sie vorübergehend ins kühlere Tiefenwasser der Seen. Die Komfortzone der Äschen liegt bei einer Wassertemperatur von zehn bis 15 Grad.


Gefahr von vielen Seiten

Den meisten Fischern ist der Hitzesommer 2003 noch gut präsent. Dieser überdurchschnittlich warme Sommer bedeutete eine Zäsur für die Äschenpopulationen der Schweiz. Damals wurden grosse Bestände wie derjenige des Schaffhauser Rheins praktisch ausgelöscht und konnten sich seither nie mehr ganz erholen. Doch auch von anderswo droht der Schweizer Äsche beständig Ungemach: Mit jeder zusätzlichen Staustufe und Flussbegradigung schwinden die für die Äsche geeigneten Laichhabitate. Kommt noch hinzu, dass sich die Äschen auch beim Kormoran gros­ser Beliebtheit erfreuen. Da sie kein ausgeprägtes Fluchtverhalten haben, braucht sie der Kormoran quasi nur vom Flussboden zu pflücken. Ein grosser Feind der Äsche ist auch der «Fleischfischer». Wer für die persönliche Entnahmepolitik noch die Fänge von ehedem zum Massstab nimmt, handelt nicht besonders weitsichtig und verkennt die Zeichen der Zeit. Um der Übernutzung durch die Hobbyfischer vorzubeugen, wurden vielerorts die Fangvorschriften verschärft. Leider können sich gute Äschenbestände – wenn überhaupt – nur dort halten, wo die Fischer auf grössere Entnahmen verzichten und der Kormoran unter Kontrolle gehalten werden kann. Insgesamt entwickelt sich die Äsche stark rückläufig und es wird grosse Anstrengungen fordern, sie auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

 

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