Wahlkampf[: Fischer zwischen den Fronten]
07 | 10 | 2019 SchweizText: Nils Anderson 0911
07 | 10 | 2019 Schweiz
Text: Nils Anderson 0 911

Wahlkampf: Fischer zwischen den Fronten

Am 20. Oktober sind Parlamentswahlen. «Petri-Heil»-Chefredaktor Nils Anderson gibt seinen persönlichen Kommentar zu den politischen Positionen ab. 

Der bekannte Schweizer Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher Franz Hohler setzt sich für die Pro Natura-Kampagne «Rettet die Insekten» ein. Bereits 1973 (!) verfasste er seine legendäre «Ballade vom Weltuntergang», die folgendermassen beginnt: «Am Anfang wird auf einer ziemlich kleinen Insel im südlichen Pazifik ein Käfer verschwinden.»

Und tatsächlich: Ja, wo zum Teufel sind die Insekten? Allem voran die sauberen Windschutzscheiben sind ein beunruhigendes Zeichen. 

Ob jetzt die Natel-Antennen, die Pestizide, die Lichtverschmutzung, der Verlust an Lebensraum oder die Klimaerwärmung schuld sind: Fakt ist, dass alle diese für Insekten ungünstigen Faktoren in den letzten 30 Jahren zugenommen, oder im Fall der Handyantennen und der Neonicotinoide erst aufgekommen sind. Was auch immer genau der Grund sein dürfte: Das Verschwinden unserer Naturflächen und die Bedrohung unserer Arten-Vielfalt haben relativ wenig mit den Klimasündern USA, Indien oder China zu tun und umso mehr mit unserer Landwirtschaftspolitik. Gerade hier stehen in den kommenden Jahren ein paar Richtungsentscheide an.

Subventionen für Biosphären-Pflege

Im Gespräch mit einem Bauern aus dem Berner Seeland, der fundiert und glaubwürdig für eine vernünftige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln plädierte, kam auch folgendes Argument: Ohne konventionelle Produktionsmethoden wird es auch keine Hochstamm-Obstbäume mehr geben. Zwar gibt es die Hochstämmler schon länger, als es Pestizide gibt, aber was er meinte, ist, dass es sich eben nicht mehr lohnen würde, eine Vielzahl an nicht-rentablen Obstbäumen zu halten. 

Ja, und genau dafür – vielleicht sogar ausschliesslich dafür – sollten doch die Subventionen da sein. Damit die Schweizer Bauern eine Landschafts- und Biosphären-Pflege machen können, die sich ansonsten nicht rechnet. Und nicht etwa für profitmaximierte Monokulturen, die den Boden auslaugen und das Trinkwasser belasten! 

Es braucht also eine Agrarwende. Um das Insektensterben zu bremsen, reicht es wahrscheinlich nicht, einfach abends die Strassenbeleuchtung für zwei drei Stunden auszuschalten und ansonsten fröhlich weiterzubauen, zu verdichten und zu entwässern. Und auf die Insekten folgen die Amphibien, die Vögel, die Fische und schliesslich wir. 

 


Berücksichtigt wurden nur Parteien, die mindestens fünf Sitze im Nationalrat haben.
Quelle: ecorating.ch


«Das ist nicht links, das ist logisch.» 

Jetzt sind ja bald Wahlen. Wer den Fischen etwas Gutes tun will, soll wählen gehen. 

Zwar haben wir als Fischer in Bern kaum eine Lobby, wir haben überhaupt wenig politisches Gewicht. Es gibt ja keine ausgewiesenen Fischerparteien. Doch dürften die Politiker, die sich den Naturschutz etwas prominenter auf die Fahne schreiben, wahrscheinlich auch diejenigen sein, die einen Sinn für natürliche Lebensräume, Bio-Diversität und einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen an den Tag legen. 

Sagen wir es deshalb so: Es braucht Augenmass und die Bereitschaft, die grossen Herausforderungen, die die prekäre Situation unseres Ökosystems bringt, anzugehen. Und davon ist links der FDP einfach deutlich mehr vorhanden. 

Wasserkraft-Lobbyist und SVP-Präsident Albert Rösti hat bekanntlich andere Interessen im Blick. Wenn es dann unbequem wird, macht seine SVP statt Sachpolitik lieber Identitäts- und Interessenpolitik. So wird gar nicht auf Argumente eingegangen, sondern gleich das Schreckgespenst (oder soll man sagen -gespinst) einer grün-kommunistischen Gutmenschendiktatur an die Wand gemalt: Die wollen uns das Fleischessen, das Fliegen und Autofahren verbieten! Die FDP ist da schon einiges weiter: Sie findet Klimaschutz und Nachhaltigkeit eine gute Sache – beides sollte einfach möglichst wenig kosten und die unternehmerische Freiheit nicht allzu fest tangieren. 

Der Handlungsbedarf ist also gegeben: Es geht ganz einfach darum, dass wir nicht immer noch weiter und weiter unsere Ressourcen ausbeuten dürfen. Tragen wir Sorge zu unserer Umwelt und gehen wir deshalb wählen. Um mit einem Ausspruch des deutschen Slam­poeten Moritz Neumeier zu schliessen: «Das ist nicht links, das ist logisch.»

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