Neues Kapitel im Urnerland
03 | 12 | 2018 SchweizInterview: Nils Anderson 0412
03 | 12 | 2018 Schweiz
Interview: Nils Anderson 0 412

Neues Kapitel im Urnerland

Anlässlich der Delegiertenversammlung des Urner Fischereivereins ging am 17. November die offizielle Präsidentenamts-Übergabe über die Bühne. «Petri-Heil» traf sich vorgängig mit Markus Gisler, dem 23. und seinem Nachfolger Peter Vorwerk, dem 24. Präsidenten, zu einem Voraus- und Rückblick auf deren Vereinsführung. 

Seit dem Gründungsjahr 1900 hat der Urner Fischereiverein (UFV) schon vieles erlebt. Erfreulich ist, dass es ihm allem Anschein nach besser geht denn je. Er hat steigende Mitgliederzahlen, eine gute Altersverteilung und hervorragende Kontakte in die kantonale Verwaltung und entsprechenden Einfluss bei der Gestaltung von fischereilichen Projekten. Mitte November fand die 118. Generalversammlung im Hotel Höfli in Altdorf statt; wer im Kanton Uri etwas auf sich hält, war an diesem gesellschaftlichen Anlass dabei. Für das Essen orderte Markus Gisler dieses Jahr rund 45 Kilo (!) Albeli­filets beim Berufsfischer. Man sieht es deutlich: Dieser alte Verein ist ein Versprechen für die Zukunft.


«Petri-Heil»: Peter Vorwerk, Du wirst der neue Präsident des Urner Fischereivereins. Welcher Typ Fischer bist Du?

Peter Vorwerk: Ich bin in Seedorf aufgewachsen und wohne seit 20 Jahren in Bürglen. Ich bin 50 Jahre alt und im Amt für Tiefbau als Bauingenieur tätig. Als ein spätberufener Allroundfischer habe ich vor ungefähr fünf Jahren angefangen, als der Junior fischen wollte. Ich fische vorwiegend am Bach, manchmal an den Bergseen oder auf dem Urnersee. Mit dem Fliegenfischen habe ich letztes Jahr auch begonnen. Die Fischerei hier gibt einem wirklich viel und macht grossen Spass. Schliesslich haben wir ein fischereiliches Paradies. Das einzige, was fehlt, ist ein Strom mit Äschen. Der Erfolg misst sich nicht an den Fischen, die ich nach Hause nehme, auch wenn wir in paradiesischen Verhältnissen fischen. Der Gesamteindruck, das Erlebnis ist es, was zählt, je länger desto mehr.

Markus Gisler: Zufälligerweise haben wir im Verein beinahe eine Präsidentendynastie aus Bürglen. Die letzten Präsidenten sind alle von dort. Ehrenpräsident Ruedi Hauser, der von 1980 bis 2000 das Präsidium inne hatte, dessen Nachfolger Roger Schillig, der bis 2008 im Amt war, dann meine zehn Jahre und jetzt Peter; alle sind aus Bürglen. Aber das ist wirklich reiner Zufall.  


Markus, hast Du Tipps oder Ratschläge an Deinen Nachfolger Peter?

Markus Gisler: Ich muss Peter keine Tipps oder Ratschläge geben, er ist seit zwei Jahren dabei und weiss, was er macht. Zudem hat er ein gutes Vorstandsgremium. Aber klar, jede Person hat andere Ideen, und darüber bin ich auch glücklich. Er ist beinahe eine Generation jünger als ich, und das ist gut so.

Peter Vorwerk: Ich bin mir bewusst, dass ich in grosse Fussstapfen trete. Und ein konstantes Fortführen der guten Entwicklungen ist mir auch entsprechend wichtig. Zudem bin ich natürlich froh, dass Markus nicht ab der Welt ist und mir bei Fragen und Problemen tatkräftig zur Seite steht, gerade bei der Durchführung von Anlässen, denn insbesondere da habe ich eine steile Vorlage gekriegt.

Die Zusammenarbeit von Verein und Behörden: Wie funktioniert die im Urnerland?

Markus Gisler: Es hat sicher mit der Kleinheit des Kantons zu tun, aber wir haben eine irrsinnig gute Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Verein, die es wohl kaum sonst wo gibt.

Es sind alles kurze Wege. An unseren Vorstands-Sitzungen sind oftmals der Fischereiinspektor und der Fischereiverwalter anwesend. Auch bei der Direktion und dem Regierungsrat sind wir sehr gut aufgestellt. Und die sehen halt auch, was wir für die Bewirtschaftung und die Verwaltung machen.

Ist es eine Art Miliz-Fischereiverwaltung, die hier gelebt wird?

Markus Gisler: Während die Wege in anderen Kantonen völlig oder weitgehend getrennt sind, geht hier vieles miteinander. Das macht übrigens auch die Arbeit als Präsident angenehmer.

Peter Vorwerk: Die Verwaltung ist auch relativ klein und alle Leute, die dort sind, haben gezwungenermassen ein breites Spektrum. Das macht die interdisziplinäre Arbeit viel einfacher. Wenn man gut miteinander kommuniziert und eine gegenseitige Wertschätzung zeigt, dann ist man sich plötzlich auch in Sachbelangen rasch einig. So ist die Fischereiverwaltung meistens präsent an unseren Anlässen, die Leute zeigen sich und demonstrieren ihr Interesse. 

Und dann kennt man sich halt, sei es von einem anderen Verein oder weil die Kinder oder man selbst zusammen in die Schule ging. Und der Umstand, dass man sich kennt, bringt einen Haufen Vorteile – aber jedes Blatt hat bekanntlich zwei Seiten.

 Der abtretende Markus Gisler (links) und der zukünftige Präsident Peter Vorwerk posieren vor den vereins­eigenen Aufzuchtbecken.

Der abtretende Markus Gisler (links) und der zukünftige Präsident Peter Vorwerk posieren vor den vereins­eigenen Aufzuchtbecken.

 Die Forellenaufzucht in Erstfeld wird seit Jahren erfolgreich betrieben.

Die Forellenaufzucht in Erstfeld wird seit Jahren erfolgreich betrieben.

 SFV-Geschäftsführer Philpp Sicher überreicht Markus Gisler die SFV-Verdienstmedaille.

SFV-Geschäftsführer Philpp Sicher überreicht Markus Gisler die SFV-Verdienstmedaille.


Viele Fischereivereine haben eine ungünstige Altersverteilung: Ein ordentlicher Teil Jungfischer, viele Pensionierte und dazwischen eine grosse Lücke. Kennt man dieses Problem im Urnerland auch?

Markus Gisler: Zum Glück nicht. Wir haben neben vielen Jungfischern auch einen schönen Anteil Mitglieder zwischen 25 und 35 Jahren; selbst im Vorstand sind wir recht jung aufgestellt, da rücken Leute nach, die knapp 30 Jahre alt sind. Für den Verein ist das natürlich wichtig. Und dann kommt noch ein weiterer Aspekt dazu: Wir haben dank der schönen Bergwelt, der Abgeschiedenheit und Wildheit unserer Gewässer den grossen Vorteil, dass viele Leute hier Fischer-Ferien machen und manche gleich das Jahrespatent lösen. Und von denen sind einige dem Urner Fischereiverein beigetreten. So haben wir Mitglieder aus 18 Kantonen.


Markus, Du hast den Verein jetzt 10 Jahre lang geführt und dabei einen starken Anstieg an Mitgliedern verzeichnen können. Was hast Du anders als andere Präsidenten gemacht?

Markus Gisler: Zuerst muss man wissen, dass der UFV im Kanton seit vielen Jahrzehnten einen grossen Stellenwert hat. Schon von Anfang an war er einer der grösseren Vereine. Mittlerweile sind es 625 Mitglieder; als ich anfing waren es 390. Wir haben immer wieder eine Werberunde gemacht und diejenigen mit Jahrespatent gezielt für einen Beitritt angeschrieben. Bei allen öffentlichen Anlässen haben wir stets das Programm aufgelegt und für möglichst grosse Sichtbarkeit gesorgt. Mittlerweile erscheint unser vierfarbiges Jahresprogramm dank der Untestützung vieler Inserenten in einer Auflage von 1500 Exemplaren.

Hinzu kommt die Berichterstattung in den lokalen Zeitungen; wir achten darauf, dass über jeden wichtigeren Anlass ein Artikel drin ist. Ganz nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber. 

Ein wichtiger Wegpunkt waren sicher auch die Feierlichkeiten zum 111-jährigen Jubiläum, als der 111er Club kam und einen Apéro machte. Damals waren während des gesamten Jahrs zahlreiche Aktivitäten am Laufen. Und das hat sich ausbezahlt und viele positive Reaktionen ausgelöst, gerade auch von Leuten, die nichts mit Fischen am Hut haben, das Ganze jedoch offensichtlich eine gute Sache fanden. 

Die Erfolge sind aber ganz klar dem ganzen Vorstand anzurechnen. Was mich als Präsidenten besonders freute, war, dass es bei der Suche nach Nachfolgern in den Vorstand nie Probleme gab. Für kein einziges Amt mussten wir mehr als eine Person anfragen. Wenn es so funktioniert, ist das berührend und erfreulich.

Die Forelle ist der wichtigste Fisch des Kantons. Wie wird bei Euch die Hege gehandhabt? 

Markus Gisler: Ab dem Oktober gehen unsere Leute und die Verwaltung viermal pro Woche für den Laichfischfang in die Reuss und in die Stille Reuss. Da betreibt kein anderer Kanton auch nur annähernd den Aufwand, den unsere Fischereiverwaltung betreibt, damit die Seeforelle auch weiterhin gute Überlebenschancen hat. Das funktioniert auch; wir haben dieses Jahr viele schöne Tiere bis 90 Zentimeter fangen können, die abgestreift und anschliessend gleich wieder freigelassen wurden.

Ich bin ganz allgemein froh und dankbar, dass unsere Fischereiverwaltung unsere Ansicht teilt und die Besatzpraxis unterstützt. Würde man nur auf Naturverlaichung setzen, wäre das Überleben der Forellen wegen der häufigen Hochwassereignisse schwierig. Wir züchten sowohl unsere Bach- wie auch unsere See- und Regenbogen­forellen selber und haben jeweils einen guten eigenen Stamm, bei dem die Reproduktion – gerade auch bei der Seeforelle – hervorragend funktioniert.

Peter Vorwerk: Die Natur erholt sich ja schon jeweils wieder, nur braucht das halt auch Zeit. Die Hochwasser­ereignisse sind meistens sehr lokal, einzelne Bäche sind betroffen. Mit dem Besatz kann man da helfen, damit sich die Bestände schneller wieder erholen.

Auch zu beachten ist, dass durch die Beliebtheit des Fischens der fischereiliche Druck entsprechend gross ist. Die natürliche Reproduktion würde nicht hinreichen, um die Attraktivität unserer Gewässer zu erhalten. Doch die vielen Fischer, die von attraktiven Gewässern angezogen werden, haben unter dem Strich ganz klar ihr Gutes! Wenn sich viele Leute mit den Gewässern, mit der Natur befassen, übernehmen sie automatisch schützende, beobachtende und pflegende Funktionen, wovon letztlich das gesamte System profitiert. 

Markus Gisler: Wir haben auch die Hürden etwas höher gesetzt. Um in den Bächen zu fischen, bedarf es mindestens eines Drei-Tages-Patents. Damit soll auch bezweckt werden, dass die Wertschöpfung hier im Tal bleibt. Für die Tagesausflügler haben wir den Göschener­alp­see, den wir auch mit selbst gezüchteten Regenbogen­forellen besetzen. Ein Fisch übrigens, bei dem ich nicht verstehe, weshalb da so schwierig getan wird. Die Regenbogenforelle ist schliesslich schon vor der Gründung des UFV in der Schweiz aufgetaucht!

 

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