[Medienecho –] Unsinnige Erhöhung der Pestizid-Grenzwerte
07 | 12 | 2018 Schweiz | VideoText: Robin Hrovatic 070
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Text: Robin Hrovatic 0 70

Medienecho – Unsinnige Erhöhung der Pestizid-Grenzwerte

Eine Recherche der Rundschau hat am 19.09. zutage gefördert, dass das Bundesamt für Umwelt BAFU in einer vertraulichen Verordnung vorschlägt, bei 25 Pestiziden höhere Grenzwerte zuzulassen, unter anderen auch beim weltweit umstrittenen Glyphosat, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft wurde. Im Fall einer akuten Belastung sollen bei Glyphosat neuerdings bis zu 10 Mikrogramm pro Liter zugelassen sein, was bedeutet, dass die Obergrenze auf einen Schlag hundert Mal höher liegen soll als zuvor. Noch Mitte Juni hatte der Bundesrat bei der Ablehnung der Trinkwasserinitiative beteuert, dass er «im ökologischen Leistungsnachweis nur noch Pflanzenschutzmittel mit geringem Umweltrisiko» duldet und «den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel verstärkt mit Direktzahlungen» fördern möchte. Der Inhalt der Verordnung des BAFU steht in direktem Widerspruch zur Absichtserklärung des Bundesrats vom Juni und ist schlicht skandalös, derweil auch die Signale der Kantone bezüglich Pestizide in die genau gegenteilige Richtung abzielen. So hat etwa der Kanton Wallis an einer Medienkonferenz vom 22.10. bekannt gegeben, dass er mit einem Aktionsplan «die Risiken bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln um die Hälfte reduzieren» möchte. Auch der Kanton Neuenburg sieht zusätzlichen Handlungsbedarf und hat darum am 07.11. mit 109:2 Stimmen eine Resolution verabschiedet, die vom Bund zusätzliche Massnahmen zum Aktionsplan Pflanzenschutzmittel verlangt. Dass ausgerechnet das Bundesamt für Umwelt vorschlägt, die Obergrenzen für 25 Pestizide und damit die Risiken für Mensch und Umwelt drastisch zu erhöhen, ist unvereinbar mit den ökologischen Zielen, die die Schweizer Gewässerschutzverordnung vorgibt.

Eine unabhängige Studie der Universität Austin (Texas), die im Wissenschaftsmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences» Ende September veröffentlicht wurde, hat den Nachweis erbringen können, dass Bienen durch den Einsatz von Glyphosat krankheitsanfälliger werden, was ihre Sterblichkeit erhöhen kann, weil der Einsatz des Herbizids die Darmflora und mit ihr die Immunabwehr der Tiere schwächt. Während im Nachbarland Deutschland die neuen Erkenntnisse hohe Wellen werfen und das zuständige Bundesministerium verspricht, dass die Studie «intensiv geprüft» werde, verweist das hiesige Bundesamt im Bericht zur Verordnung gemäss dem Einspieler in der Rundschau lediglich pauschalisierend darauf hin, dass die «Grenzwerte wissenschaftlich hergeleitet» seien. Auf Rückfragen der Rundschau wollte das BAFU mit Hinweis auf ein «laufendes Verfahren» nicht antworten. Es bleibt zu hoffen, dass die wissenschaftliche Grundlage für die neuen Obergrenzen nicht nur von Studien kommen, die die Pestizidhersteller selbst in Auftrag gegeben haben, sondern auch von unabhängigen und hochaktuellen Studien wie derjenigen der Universität Austin. Wer weiss, vielleicht beinhaltet das «laufende Verfahren» ja eine Prüfung der texanischen Studie und der Bund überlegt es sich doch noch anders.

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