Engstlensee-Putzete [| Pionier-Aktion mit grosser Medien-Wirkung]
19 | 11 | 2021 SchweizInterview: Nils Anderson 0362
19 | 11 | 2021 Schweiz
Interview: Nils Anderson 0 362

Engstlensee-Putzete | Pionier-Aktion mit grosser Medien-Wirkung

Rund 32 Fischer und Taucher haben am 1. Oktober in einer grossangelegten Aktion den Seegrund und das Seeufer des Engstlensees gereinigt. Organisiert wurde das Unterfangen von den Pachtvereinigungen Interlaken und Oberhasli, den Vereinen Highland Fishing und Hooked sowie den Kraft­werken Oberhasli. «Petri-Heil» hat mit dem freiwilligen Fischerei­aufseher und Mitorganisator Toni Brunner gesprochen.

 

«Petri-Heil»: Ihr habt in einer aufwendigen Aktion den Engstlensee gereinigt. Steht es so schlimm um ihn?

Toni Brunner: Ich bin ja als freiwilliger Fischereiaufseher viel hier oben unterwegs und mache ab und zu eine Tour mit Plastiksack. Erfreulicherweise war es um den See noch nie so sauber wie dieses Jahr. Und dies, obwohl mittlerweile wirklich viele Ausflügler hier oben anzutreffen sind. Im See selbst landet verglichen mit dem Thunersee oder der Aare weniger Zivilisationsmüll. Doch am See wird viel gefischt und die Hängergefahr ist beträchtlich. Da schadet ein Putz sicher nicht. Vor allem die vielen Fischerschnüre sollten wieder raus.


Was wurde alles geborgen?

Im Gegensatz zu einer Aareputzete rechnet man an einem Bergsee natürlich nicht mit Velos, Kühlschränken, Einkaufswagen, Handys oder ausgeräumten Portemonnaies. Was wir geborgen haben, war in erster Linie Fischermaterial und Zigarettenstummel sowie Pet­flaschen und ähnliches. Rund 60 Sbirulinos, massenweise Schnüre und Haken und viele Wobbler, Spinner, Löffel und Gummifische kamen ans Tageslicht. Zudem fanden wir einen Eisbohrer und ein etwa 120 Zentimeter langes Metallstück, welches wir nicht zuordnen konnten. 

 Köderfriedhöfe wie dieser waren Grund für die grossangelegte Putzete.

Köderfriedhöfe wie dieser waren Grund für die grossangelegte Putzete.


Was passiert jetzt mit diesen Funden? 

Die Taucher durften ihre Funde behalten, wenn sie wollten. Ich habe etwa 30 Sbirulinos mitgenommen und diese gereinigt. Ein Helfer hat die anderen Köder mal mitgenommen und schaut jetzt, was davon noch zu brauchen ist; nach einer längeren Zeit im See ist vieles nicht mehr brauchbar.


Vor Ort waren sieben Taucher. Sind diese unentgeltlich gekommen?

Ja, die waren alle im Dienst der Sache angereist und wollten keinen Lohn. Sie waren von der Arbeit im kristallklaren Wasser begeistert, man kann schliesslich nicht jeden Tag in einem Bergsee tauchen gehen. Kam hinzu, dass die Sonne schien und es ober- wie unterhalb des Wasserspiegels ein Prachtstag war. Die anderen Helfer waren entweder auf den Booten oder bauten wilde Feuerstellen rund um den See zurück. 

 Köder für Köder wurde in die Körbe gebracht.

Köder für Köder wurde in die Körbe gebracht.


Du warst unter anderem Medienverantwortlicher dieser Aktion. Was wolltet ihr mit dieser Aktion erreichen?

Wir wollten eigentlich zwei Dinge zeigen. Erstens, dass es uns Fischern ernst ist mit unserem Engagement für saubere Gewässer. Wir wollten zeigen, dass wir Fischer uns am Wasser nicht wie in der Selbstbedienung verhalten und einfach nehmen, ohne je etwas zurückzugeben. Zweitens, dass man mit einem koordinierten Vorgehen viel bewirken kann. Am Anfang stand eine Anfrage von Daniel Ducret, dem umtriebigen Präsidenten des Vereins Highland Fishing. Beteiligt waren an dieser Aktion schliesslich die PV Interlaken, die PV Oberhasli, Highland Fishing, Hooked und die Kraftwerke Oberhasli. Eine solche Aktion ist nicht selbstverständlich und braucht viel Vorbereitung. Dass die Jungfrau-Zeitung und der Berner Oberländer gross darüber berichteten und mich letztere stellvertretend für alle Engstlensee-Putzer sogar zum «Kopf der Woche» gemacht haben, hat mich sehr gefreut. Zudem zeigt es einer breiten Öffentlichkeit, dass wir Fischer in den Bergen ein Faktor sind und uns unsere Gewässer am Herzen liegen.


Kann man eine Seeputzete also nicht einfach so machen?

Nein, da braucht es eine Sonderbewilligung für die Taucher, eine Bewilligung des Fischerinspektorats und die Fahrbewilligungen der Weggenossenschaft. Wenn man mit einem so konkreten Projekt an die entscheidenden Stellen gelangt, stösst man zwar nicht auf Widerstand, aber ein gewisser Aufwand ist trotzdem da. Und dann sind die Kosten nicht zu vergessen. Wir konnten einige Sponsoren gewinnen und dank den Beiträgen aus dem kantonalen Hegefonds bleibt so für die beteiligten Vereine am Schluss mindestens eine schwarze Null. Durch den Hegefonds wird ein Teil unserer Arbeit mit einem vom BKFV festgesetzten Stundenlohn entgolten.

 Korb um Korb wurde der Abfall ins Boot geholt.

Korb um Korb wurde der Abfall ins Boot geholt.

 Die Ausbeute lässt sich sehen: Fischerutensilien machten einen Grossteil des Fundes aus.

Die Ausbeute lässt sich sehen: Fischerutensilien machten einen Grossteil des Fundes aus.


Sind noch weitere solche Projekte geplant?

Reinigungen des Öschinen- und Arnensees sind für die kommenden Jahre angedacht. Auch diese Seen werden häufig von Fischern besucht. Ausserhalb des Berner Oberlands sind mir keine solchen Projekte bekannt, aber ich hoffe natürlich, dass sich dies durch die Berichterstattung ändern wird!

 

 

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