Das Fischerpatent per Klick
04 | 12 | 2020 SchweizText: Tomasz Sikora 23494
04 | 12 | 2020 Schweiz
Text: Tomasz Sikora 2 3494

Das Fischerpatent per Klick

Mit der App «myfish» besteht erstmals die Möglichkeit, Fischerpatente online zu erwerben. Wie in so vielen anderen Bereichen macht aber auch hier der Schweizer Föderalismus die Sache kompliziert.

Wer kennt diese Situationen nicht? Das Wetter passt, also soll es spontan zum Fischen gehen. Doch Moment, heute ist ja Sonntag – und die Patentausgabestelle ist zu. Oder dieses Szenario: Das Patent ist erst ab einer Uhrzeit erhältlich, zu welcher der versierte Angler Feierabend macht. Mit der Digitalisierung, die nun in Form der App «myfish» auch im Bereich der Angelfischerei Einzug hält, dürften solche frustrierenden Momente für viele Fischer bald ein Ende haben. «Petri-Heil» hat die App ausprobiert und festgestellt: Die App ist einfach in der Bedienung, erspart einem den zeitaufwendigen physischen Besuch der Patentausgabestelle, ist für Angler kostenlos und ermöglicht auch den spontanen Kauf von Fischerpatenten.


Professionell aufgezogen

Betrieben wird die App von Patrick Emmenegger, der eigens für den Zweck der App die Firma Logax GmbH gegründet hat. Zwar fischt Emmenegger schon lange nicht mehr selbst, doch über sein fischereiaffines Umfeld hat er immer wieder mitbekommen, wie mühsam es sein kann, Patente zu beziehen. «Irgendwann liess mich der Gedanke nicht mehr los, ich fing an, mich im Detail zu informieren, hatte Kontakt zu Ämtern und Behörden und begann mit dem Entwurf der Plattform.» Die Tatsache, dass es kein vergleichbares Angebot auf dem Schweizer Markt gibt, habe ihn schliesslich zur Entscheidung geführt, das Projekt zu realisieren, sagt Emmenegger.

Erhältlich ist die kostenlose und in allen Landessprachen sowie auf Englisch verfügbare App über die gängigen Kanäle, also den Google Play Store und den Apple App Store. Auch der Bezug der Patente kostet den Angler ausser dem Patent selbst wie erwähnt nichts, bezahlt werden kann per TWINT, PostFinance, VISA und Mastercard. Die ebenfalls in die App integrierte Fangstatistik kann sowohl manuell als auch automatisch mit Daten angereicht und online ausgewertet werden.


Kanton Basel-Stadt ist dabei

Der einzige Haken an dieser so wundervoll anmutenden Sache: Über die App können bisher nur für eine Handvoll Schweizer Gewässer Patente bezogen werden. Grund dafür ist der ausgeprägte Schweizer Föderalismus, wie Emmenegger sagt: «Ziel der Plattform war es, äusserst generisch und einfach zu bleiben, um möglichst viele Interessen und Anforderungen abdecken zu können. Doch jeder Kanton und jeder Verein hat seine eigenen Anforderungen. Dies hindert gewisse Gewässerverwalter daran, einen Versuch mit Tageskarten zu machen.» Das sei schade, so der Firmengründer, denn aus der Sicht der Gewässerverwalter bestehe kein Risiko, wie er betont: «Es entstehen keine Fixkosten und die Online-Bezahlung verunmöglicht Zahlungsausstände.»

Als erster Kanton ist Basel-Stadt eine Zusammenarbeit mit «myfish» eingegangen. Zwar seien kantonsspezifische Anpassungen und die Prüfung technischer und rechtlicher Aspekte sowie eine «Schutzbedarfsanalyse» notwendig gewesen, wie Matthias Nabholz, Leiter des zuständigen basel-städtischen Amts für Umwelt und Energie auf Anfrage erklärt. Doch: «Grundsätzlich entspricht die Idee von myfish.ch im Wesentlichen unseren Vorstellungen einer einfachen und flexiblen Online-Lösung», so der Chefbeamte.

Aktuell läuft eine zweijährige Pilot- und Testphase. Danach sollen aufgrund der Evaluierung von eventuellen Problemen wie auch der Rückmeldungen und Verbesserungsvorschlägen der Anwender in Absprache mit dem Betreiber Verbesserungen angegangen werden. Als besonders positiv sieht Nabholz die Möglichkeit, unabhängig von Öffnungszeiten, Schalterstunden und Örtlichkeiten spontan Angelausflüge zu ermöglichen. Ausserdem entfalle durch die digitale Einreichung der Fangstatistik die Verwendung von Papier und gedruckten Unterlagen.


Theoretisch in der ganzen Schweiz möglich

«Aktuell ist interessanterweise besonders die Nordschweiz zwischen Basel und Schaffhausen auf ‹myfish› aktiv, insbesondere die Fischer am Rhein. Begründen lässt sich das aber nicht», sagt Patrick Emmenegger. Der Wunsch, mit der App die ganze Schweiz abzudecken, wird sich so bald leider nicht erfüllen, wie Emmenegger mit Verweis auf den Kantönligeist sagt: «Weitere Verwalter melden immer wieder ihr Interesse an. Ich musste aber lernen, dass die Umsetzung in der Praxis oftmals schwieriger ist als erhofft.» Hoffnung besteht aber, sagt der Betreiber von «myfish», denn: «Theoretisch wäre eine Abdeckung in der ganzen Schweiz in den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch vorhanden. Alle öffentlich publizierten Gewässer sind in der App erfasst und ich kann als Fischer kostenlos für jedes Gewässer meine Fänge erfassen.»

 

2 Kommentare


moossee gmbh

01 | 04 | 2021

Ab sofort sind Saisonkarten für den Moossee bei Bern auf myfish erhältlich.


moossee gmbh

23 | 04 | 2021

Ab 1. Mai gibts auch Tageskarten für den Moossee auf myfish.


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